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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
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Dreizehntes Kapitel.

Die Landwirtschaft.

I. Allgemeines. Kapitalismus und Landwirtschaft.

Der Schritt aus der Stadt hinaus aufs Land bedeutet denEintritt in eine andere Welt: das gilt nicht zuletzt von den Zu-ständen der Wirtschaft. Der Grundton, auf den das Wirtschafts-leben auf dem Lande abgestimmt ist, ist nicht derselbe wie in denübrigen Sphären der Volkswirtschaft. Hatten wir bisher einendurchgehend gleichen Zug der Entwickelung im Bank- und Börsen-wesen, im Groß- und Kleinhandel, im Gewerbe und Verkehr be-obachten können: den Zug zu einheitlicher Gestaltung, zur Ab-lösung der persönlich-konkreten, handwerksmäßigen Organisationdurch eine sachlich-abstrakte, kapitalistische, so gewährt die Landwirt-schaft, wie der erste Augenschein lehrt und eindringendes Studiumbestätigt, ein völlig abweichendes Bild: nicht Einheit, sondernMannigfaltigkeit erscheint als Grundzug der Entwickelung und dieverschiedenen wirtschaftlichen Organisationsformen erscheinen unsnicht im Verhältnis des Nacheinander, sondern des Nebenein-ander. Bauernländer wie Frankreich und die Schweiz nebenLatifnndienländern wie Großbritannien ; kapitalistische Großpächterwie in England und Deutschland neben Zwergpächtern wie inIrland und Sizilien oder Teilbauern wie in Mittelitalien undFrankreich ; kleine gartenähnlich gepflegte Wirtschaften mit vollendeterTechnik neben extensiv und altfränkisch bewirtschafteten großenGütern in einem und demselben Lande wie Deutschland ; patriar-chalische Großbauernwirtschaften, kapitalistische Gutswirtschaften,kleinbäuerliche Handwerksbetriebe in derselben Provinz: alle diese