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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
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Die Landwirlschast.

er nicht einen Käufer für seine Erzeugnisse findet: der Bauerkann es.

Aber auch dort, wo der Landwirt für den Markt produziert,ist die Unterwerfung unter die Gesetze des Marktes niemals einevollständige: er wird niemals so tyrannisch behandelt, wird nie-mals so mit allen Fasern seines Wesens marktuntertan, wie dieWirtschaften iu andern Sphären des Wirtschaftslebens. Waswiederum engstens mit den Produktionsbedingungen der Land-wirtschaft zusammenhängt.

Zum ersten: das auf unvollkommenere, d. h. extensivere Weiseerzeugte Produkt ist nicht teurer, sondern meist sogar billiger alsdas in der höchstvollkommenen, d. h. intensivsten Wirtschaft ge-wonnene Produkt. Die Wirtschaft niederer Ordnung vermag alsoden Wettbewerb derjenigen höherer Organisation nicht nnr aus-zuhalten: sie hat sogar einen Vorsprung vor dieser voraus. Sieverkauft nur weniges, aber das wenige um so müheloser. Währenddie unvollkommene Wirtschaft in der Sphäre der gewerblichenProduktion (weil hier das in der intensivsten Wirtschaft er-zeugte Produkt das billigste ist) überhaupt nichts mehr verkauft.Sie erleidet clmnoum emei-AsriL, die extensive ländliche Wirt-schaft uur luvruin oessans. Jeue ist zum Untergang verurteilt,diese nicht.

Sodauu: iu der Laudwirtschaft fallen Jntensitätsgrad undGröße des Betriebes keineswegs so vollständig zusammen, wie inandern Wirtschaftsgebieten. Auch der kleine Betrieb ist intensiverGestaltung fähig, der große extensiver. Die Organisation in derWirtschaft eines Bördebauern ist viel vollkommener und leistungs-fähiger als diejenige auf den großen Gütern eines verschuldetenpolnischen Edelmanns. Eine Bauernwirtschaft mit einem Arealvon 50 kann Fruchtwechselwirtschaft und rationelle Viehzuchtmit Stallfütteruug treiben; eine zehnmal so große Gutswirtschaftkann in der Dreifelderwirtschaft und in der primitiven Weide-wirtschaft stecken geblieben sein. Womit wiederum irgend einanderes Gebiet des Wirtschaftslebens zu vergleichen wäre! DieGründe dieser unterschiedlichen Gestaltung eingehend darzulegen,muß ich späteren Studien vorbehalten. Hier genügt schon der