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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
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Die Landwirtschaft.

Bauern, deren Sohn und Enkel wir heute als Gutstagelöhner aufden Gütern Ostelbiens wieder finden (oder bis vor einiger Zeitfanden!). Der Bestand an solchen Parzellenwirtschaften (sie werdenineist unter 2 Iia, sämtlich wohl unter 5 Areal bewirtschaftethaben) scheint nuu aber im ganzen heute nicht kleiner als vorhundert Jahren zu sein, maßen auf Kosten der spannfähigenBauernnahrungcn, namentlich auch in industriellen Gegenden,vielerorts eine Vermehrung dieser Größenklassen stattgefunden hat.Eine leise Verringerung haben die spannfähigen Bauernwirtschaftenim Osten auch dadurch erfahren, daß sie einen Teil ihres Areals,nach Serings Berechnungen 104 000 ka, im Wege des freieuGüterverkehrs während des 19. Jahrhunderts an den Großgrund-besitz verloren hatten. Dieser Abgang ist nun aber ebenfalls >amSchlüsse des Jahrhunderts bereits wieder ersetzt worden und zwardurch Vermehrung der bäuerlichen Ansiedelungen auf dem Wegeder inneren Kolonisation, die durch das preußische Ansiedelungs-gesetz für Posen und Westpreußen vom 26. April 1886, sowiedurch die ebenfalls preußischen Nentengutsgesetze vom 27. Juni 1890und 7. Juli 1891 von der preußischen Negierung eingeleitet wordenist. Die Zahl der Renteugüter, die auf diese Weise iu den sechsöstlichen Provinzen Preußens neugeschaffen sind, betrug am31. Dezember 1899 rund 127 000 mit einer Gesamtfläche vonrund 180 000 lia.

Wie wenig aber, von diesen künstlichen Eingriffen abgesehen,der Bestand der einzelnen Wirtschaftsformen in der Gegenwart sichzu verändern die Tendenz hat, zeigt ein Vergleich der Statistikvon 1895 mit der von 1882 (Anlage 45). Was sich hier ver-schoben hat, kommt kaum in Betracht und beruht jedenfalls aufkeiner irgendwie gesetzmäßigen, fortwirkenden Entwickelung: DieGruppen, die au einer Stelle abgenommen haben, wie das Groß-bauerntum in den meisten Gebieten des Reichs, haben doch inanderen wieder zugenommen (Rheinland, Posen). Eine Beobach-tung, die sich auf Grund anderen Materials, auch für die frühereZeit machen läßt. (Vgl. Anlage 46.)

Aber es wäre nun natürlich ein bedenklicher Irrtum, zuglauben, das gewaltige neunzehnte Jahrhundert mit seiner Neu-