talistische Landwirtschaft ihren Höhepunkt in Deutschland erreicht.Mau muß die rationell betriebenen Gutswirtschaften dieser Pro-vinzen aus eigener Anschauung kennen, um zu wissen, daß ihreOrganisation wie ihre ganze Geschäftsführung in nichts von deneneines großen industriellen oder -kommerziellen Unternehmens ver-schieden ist. Hier herrschen Erwerbsprinzip und ökonomischerRationalismus unbeschränkt, in den großen Arnheims stehen diestattlichen Reihen der Hauptbücher, die Zahlungen werden durchÜberweisungen auf das Girokonto bei der Reichsbank geleistet, unddie Hauptarbeit wird von einem Heere freier, geldgelohnter Wander-arbeiter verrichtet.
Aber ich möchte glauben: in dieser ausgeprägten Formbilde die kapitalistische Gutswirtschaft bei uns heute noch immereine fast verschwindende Ausnahme. Ich erwähnte das Girokontobei der Reichsbank: aber wir wollen nicht vergessen, daß im Jahre1900 erst 183 Landwirte solche Konten hatten (1.3 aller Konten-inhaber), und daß die Höhe ihres Guthabens nur 923 420 Mark(0.4 betrug, das einzelne Guthaben also eine Höhe von5046 Mark erreichte (gegen einen allgemeinen Durchschnitt von17 533 Mark). Ich wies auf den starken Anteil des Pachtlandesin einigen Teilen Deutschlands hin. Wir müssen aber in Rücksichtziehen, daß in den meisten Gebieten des Großgrundbesitzes dieGutspacht heute noch ganz zurücktritt gegenüber der Eigenwirtschaft.Und der Augenschein bestätigt es, das; wir einstweilen in Deutsch-land nur ganz wenige reinkapitalistisch organisierte Gutswirtschaftenbesitzen, daß die große Masse auf halbem Wege zum Kapitalismus stecken geblieben ist, und daß eine nicht unbeträchtliche Minderheitunserer Rittergüter heute wie vor hundert Jahren ohne eine» Au-slug kapitalistischen Geistes bewirtschaftet werden.
Um dieses auffallend langsame Schrittmaß kapitali-stischer Entwickelung selbst im Bereiche der Großlandwirt-schaft zu erklären, ist man zunächst geneigt, auf zufällig persönlicheGründe zurückzugreifen. Es liegt nahe, die mangelnde Kapitalkraft,die UnWirtschaftlichkeit oder sonst eine Eigenschaft, die die Mehr-zahl unserer ostelbischen Gutsbesitzer kennzeichnet oder kennzeichnensoll, für die ökonomische Nückständigkeit so vieler Gutswirtschasteu