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Die Landwirtschaft.
schaft zu bringen, also daß die kleinen Landwirte nicht mehr fürsich und die Ihrigen, sondern fast ausschließlich für jene Geschüsts-leute den Acker bestellten.
Wir besitzen über den „Wucher auf dem Lande" eine Enquetedes Vereins für Sozialpolitik aus dem Jahre 1887, die zur Zeitihres Erscheinens viel von sich reden machte und die von einerReihe von Kritikern in der abfälligsten Weise beurteilt worden ist.Unzweifelhaft ist sie theoretisch, d. h. methodologisch, grundschlecht.In ihren praktischen Ergebnissen ist sie trotzdem, wie mir scheint,unübertrefflich gut. Denn was durch die fast stereotype Bericht-erstattung von Auskunftspersonen, die untereinander keinerleiFühlung hatten, mochten die einzelnen Referenten auch so vor-eingenommen wie möglich sein, doch sicher erwiesen wurde, war:daß die Auswucherung der kleineren und mittleren Bauern alseine allgemein verbreitete Erscheinung in Deutschland zu geltenhabe, die iu den genannten Gebieten eine besonders weite Aus-dehnung erlangt hatte; eine Erscheinung, die dadurch in ihrerTatsächlichkeit und Gesetzmäßigkeit aufgedeckt wurde, daß sie sastüberall dieselben Formen angenommen hatte.
Ich muß es mir hier versagen, auf Einzelheiten einzugehen.Es mag genügen, festzustellen, daß der „Wucher auf dem Lande"auftritt als Geld- oder Darlehenswucher, als Viehwucher iEin-stellverträge usw.), als Grundstückswucher und als Warenwucher(Kreditierung von Saatgut gegen Aushaltung eines Anteils ander Ernte, Umtausch der landwirtschaftlichen Produkte gegenminderwertige andere Waren usw.). Daß es sich aber fast inallen Fällen um eine geschickte Verquickung aller dieser verschie-denen Arten handelt und daß, wie oben schon angedeutet wurde,die völlige Abhängigkeit der bäuerlichen Wirtschaft von der Willkürdes Handelsmannes als das Ziel erscheint, das dieser anstrebtund ost genug erreicht.
Zur Bestätigung gebe ich einigen Berichterstattern der er-wähnten Wucherenquete aus verschiedenen Teilen Deutschlands das Wort. Ihre übereinstimmende Schilderung der Vorgängezeigt deutlicher, um was es sich handelt, als es eine theoretischeAuseinandersetzung vermöchte.