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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
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399
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Molkereigenossenschaften, Winzergenossenschaftcn, 399

von den Genossen über eine Milliarde Liter Milch eingeliefert,wosür ihnen 72^ Million Mark bezahlt wurden.

Die Statistik belehrt uns aber auch, daß es vorwiegend bäuer-liche Wirtschaften sind, die ihre Milch in diesen Genossenschafts-molkereien verarbeiten lassen. Nach einer Zusammenstellung vonMayrs für das Jahr 1895 waren an Molkereigenossenschaftenbeteiligt, lieferten also ihre Milch in eine Großmolkerei 139197Betriebe mit einer Wirtschaftsfläche von weniger als 100 b.a(53 597 waren Betriebe mit 5 bis 20 da, 43 561 mit 20 bis100 I>!i), während nur 8 805 Betriebe größer waren. Jene bäuer-lichen Wirtschaften besaßen zusammen 721511 Kühe, diese GutS-wirtschaften (unter denen immer uoch ein beträchtlicher Teil starkbäuerliches Gepräge tragen wird) 361435.

Minder großartig, aber doch auch verhältnismäßig nicht un-bedeutend ist die Entwickelung der Winzergenvssenschaften ge-wesen. Die meisten von ihnen sind ebenfalls erst im letzten Jahr-zehnt entstanden. Während es 1870 erst eine, 1880 14 und 189029 gab, beträgt ihre Anzahl am Ende des Jahrhunderts bereits über100. Übrigens wird gerade im Gebiete des Weinbaues es fürzweifelhaft gehalten, ob die genossenschaftliche und darum groß-betriebliche Weinbereitung hinreichen werde, um dein kleinen Winzer,der niemals die Qualitätsweine der großen Weinbergsbesitzer zuerzeugen vermag und deshalb der in Zukuuft sich wahrscheinlichverstärkt fühlbar machenden Konkurrenz der italienischen Weine inbesonders empfindlicher Weise ausgesetzt sein wird, eine gesicherteExistenz zu verschaffen. Das Problem ist hier kein Problem derBetriebsgestaltung, wie es scheint, sondern der Gunst der Lagen.

Wenn in der eigentlichen Landwirtschaft keinerlei Tendenz sichbemerkbar macht zum Aufgehen des kleinen Betriebes in dem großen die Ziffern der Anlage 45 lassen sogar auf eine unbeträchtlicheVerringerung der Großbetriebe schließen, so möchte ich denGrund hierfür vor allem in der Tatsache erblicken, daß die Eigenart derlandwirtschaftlichen Produktion eine ganz bestimmte Vornahme nichtzuläßt, auf der die Überlegenheit des Großbetriebs beispielsweise inder gewerblichen Produktionssphäre wie mir scheint vornehmlich be-ruht: ich meine die Zerlegung des Produktionsprozesses in seine