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Tie Landwirtschaft.
daß sich der Kleinbetrieb als Ganzes nicht verpflichtet glaubt, deinGroßbetriebe den Platz zu räumen, ergibt sich bereits aus dem,was wir in dem ersten Abschnitte dieses Kapitels in Erfahrunggebracht haben. Anders verhält es sich mit einzelnen Teilen deslandwirtschaftlichen Betriebes. Dieser umschließt uämlich in seinerüberkommenen Gestaltung Prodnktionsvorgänge, die mit der Land-wirtschaft überhaupt nichts zu tun haben, vielmehr rein gewerblichenCharakters sind. Sobald man nun diese nur zufällig angegliedertenVornahmen in eigenen Betrieben verselbständigte, so verfiel begreif-licherweise deren Organisation den Gesetzen der Betriebsgestaltungin der gewerblichen Prodnktionssphäre, neigte also zum „Groß-betriebe". Die Vornahmen, um die es sich handelt, betreffen dieweitere Verarbeitung der in der Landwirtschaft gewonnenen Stoffe,namentlich die Erzeugung von Molkereiprodukten und die Wein-bereitung. Es ist ersichtlich, daß diese Produktionszweige ebensowie die Fleischerei oder Müllerei oder Malzbereitung oder Spinnereiden stvffveredelnden Gewerben zuzurechnen sind nnd also auchderen Entwickelungsbedingungen unterliegen. Daß die Großbetriebe,zu denen sich Molkerei und Weinbereitung in letzter Zeit auszu-wachsen beginnen, meistens die Wirtschaftsform der Genossenschaftannehmen, ist ein zufälliger Umstand. Sie konnten ebenso gutauf kapitalistischer Basis ruhen und tun es auch häusig. DieGenossenschaftsbildung ist aber wichtig sür das Schicksal der bäuer-lichen Wirtschaften. Sie begründet die Möglichkeit, daß auch derkleine landwirtschaftliche Betrieb als solcher weiterbestehen kannund doch an den Vorteilen des Großbetriebes, in den die ver-selbständigten gewerblichen Tätigkeiten übergeführt werden, teil-zunehmen vermag.
Es war von den Molkereigenossenschaften schon die Rede.Ihre Entwickelung in den letzten Jahren ist sehr bedeutend, wieaus folgenden Ziffern hervorgeht. Molkereigenossenschaften gab esin Deutschland am 1. Juli 1890 erst 639, am 1. Juli 1901schou 2047. Von den 875 berichtenden Molkereien des All-gemeinen Verbandes waren nur 8 älter als 20 Jahre, 152 älterals 10 Jahre. Die durchschnittliche Mitgliederzahl einer Molkereistieg von 45 im Jahre 1892 auf 91 im Jahre 1900. Es wurden