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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
Seite
397
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Die laudw. Betriebe zeigen als Ganzes keine Tendenz z. Vergrößerung. Z97

der Ort, zu Prüfen. Hier gilt es nur festzustellen, daß in ver-hältnismäßig kurzer Zeit ein Werk geschaffen wurde, das als Grund-lage einer Bauernwirtschaft des zwanzigsten Jahrhunderts zu denkennicht völlig utopistisch erscheint.

II. Betrieb und Leistungeu der Landwirtschaft.

Ebensowenig wie die wirtschaftliche Organisation folgt dieBetriebsgestaltung in der Landwirtschaft denselben Regeln wie inden übrigen Sphären des Wirtschaftslebens. Fast überall hattenwir in Handel, Verkehr und Industrie eine ausgesprochene Tendenzzur Vergrößerung der Betriebe beobachten können. In der Land-wirtschaft besteht eine solche in dem gleichen Umfange und dergleichen Stärke wie in den anderen Gebieten der Volkswirtschaftzweifellos nicht. Deutlich vermögen wir zu erkennen, wie derGroßbetrieb" in der Landwirtschaft bestimmte, nicht sehr weitgesteckte Grenzen nur ungern überschreitet. Also vou einer Neigungder großen Betriebe, immer größer und dann noch größer zu werden,ist in der Landwirtschaft keine Rede. Güter von mehr als 1000 Iiabilden zumal in Gegenden fortgeschrittener Kultur die Aus-nahmen. Aus leicht erkennbaren Gründen: Die Entfernung derAußenschläge vom Mittelpunkte, dem Gutshof, darf im Interesseeines unbehinderten Betriebes über ein bestimmtes Höchstmaßnicht hinausgehen. Deshalb führt auch eine Besitzanhäufuug ineiner Hand, so einheitlich auch immerhin die Wirtschaftsführunggestaltet sein mag, sast niemals zu einer Betriebskonzentration.Auch auf den größten Herrschasten bleibt die Betriebsgröße dereinzelnen Güter meist unverändert dieselbe. Woraus sich dennder Schluß ziehen läßt, daß eine etwelche Ammassationstendenz imGrundbesitz, wie sie hie und da in einigen Teilen Ostelbiens be-vbachtet wird, außerhalb des wirtschaftlichen Kausalzusammenhangessteht und daher von unserm Standpunkte aus gesehen alszufällig"und der Verfolgung nicht wert erscheint.

Wollten wir nun aber weiter aussagen: es bestehe auch keiner-lei Tendenz, daß sich derKleinbetrieb" (wie er im Nahmen einerbäuerlichen Wirtschaft sich gestaltet) zumGroßbetriebe" entwickele,so würde dies nicht völlig den Tatsachen entsprechen. Freilich,