Fortschritte in der Viehzucht.
411
Menschenalters das mit Rüben angebaute Areal ganz beträchtlichausgedehnt worden. Noch 1873—1874 waren im Deutschen Reicherst 88 877 ku. mit Rüben angebaut; 1892—1893 dagegen schon352 015 Im und 1900—1901 447 606 ka. Und zwar sind esgerade auch wieder die kleineren und mittleren Betriebe, die andieser Steigerung besonders reichlichen Anteil haben. Im Jahre1895 entfiel über die Hälfte der mit Rüben bestandenen Flächeauf die Betriebe mit weniger als 200 kn. Bon den Betriebenaber, welche die Zuckerrüben lieferten, gehörten 6.41 "/^ den Groß-betrieben (über 100 Im) an, 23.53"/^ dagegen waren Mittel-betriebe (20—100 Im), 41.63°/g Kleinbetriebe (5—20 Im) und28.43°/g Betriebe mit weniger als 5 Im Wirtschaftssläche.
Nicht mindere Fortschritte wie der Ackerbau aber hat währenddes neunzehnten Jahrhunderts die Viehzucht gemacht, der, wieschon augedeutet, ein Teil der Reformen unmittelbar zu gutekam, die im Juteresse der besseren Bodenansnutzung gemachtworden waren.
Der empfindlichste Punkt der alten Dreifelderwirtschaft wardie zn geringe Produktion von Viehnahrnng gewesen. Das Rind-vieh wurde im Sommer auf die meist nicht sehr fette Naturweidegetrieben, im Winter aber mit Strvhfütternng kümmerlich hin-gehalten; das wenige Heu gab man den Pferden und den Schafen,auf denen denn auch bis in die Mitte des Jahrhunderts derSchwerpunkt der Viehwirtschaft ruhte. „Die Schafhaltung, konnteein so erfahrener Landwirt wie Heinrich von Thünen feststellen,ist für den gegenwärtigen Moment (die 1820er und 1830er Jahre)die Angel, um welche sich die ganze Wirtschaftseinrichtung dreht."Wir kennen auch schon die Gründe, weshalb man in dieser Weisedie Schafzucht bevorzugte: wegen des starkeu Wollbedarfs erstEnglands , dann auch der sich entfaltenden heimischen Industrie,der in jenen Jahrzehnten, wie wir sahen, größtenteils durch dieinländische Produktion gedeckt wnrde. Seit Mitte des Jahr-hunderts Mrd dann die Schafzucht stark vermindert; Rindviehund Schweine ersetzen mehr und mehr das Schaf: entsprechendder zunehmenden Intensität des Wirtschaftsbetriebes.
Die Fruchtwechselwirtschaft lieferte jetzt reichliches Viehfutter,