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Die Landwirtschaft.
Handel mit Agrarprvdukten in dem Maße, wie in Deutschland selber die rasch erblühende Industrie nnd die mit ihr zunehmendeJndustriebevölkerung in den Städten eine neue kräftige Nachfrageerzeugten, eine Nachfrage, für deren Befriedigung die einheimischeLandwirtschaft einstweilen so gut wie ausschließlich in Betracht kam.Ihren ziffermäßigen Ausdruck findet diese so überaus vorteilhafteMarktlage in dem stetigen und vielfach raschen Ansteigen derPreise fast aller Bodenerzengnisse während der 1850 er,1860er und in der ersten Hälfte der 1870 er Jahre. Ichverweise den Leser auf das Zahlenmaterial der Anlage öl, dasihm einen Einblick in die Preisbewegung während des neunzehntenJahrhunderts gewährt.
Und nuu kam der sattsam bekannte Rückschlag. SeitEude der 1870 er Jahre begannen (mit Ausnahme der Viehpreise)die Preise aller wichtigen Erzeugnisse der Landwirtschaft, denensich zum Unglück für viele deutsche Landwirte bald auch die Zucker-und Spirituspreise zugesellten, mit konstanter Bosheit sich unab-lässig Schritt vor Schritt, ja hie und da sprunghaft, rückwärtszu konzentrieren, bis in die Mitte der 1890 er Jahre, wo sie deneinstweilen tiefsten Stand erreichten. Um welchen förmlichen Preis-sturz es sich handelte, machen die Ziffernreihen der Anlage 51 er-sichtlich. Die Tabelle L enthält die Hamburger Großhandelspreise,also die Weltmarktspreise im wesentlichen, in denen die rückläufigeBewegung in ihrer vollen Stärke zum Ausdruck kommt. ImBinnenlande war ihre Wncht schon abgeschwächt durch die Schutz-zölle, deren seit 1879 die Agrarerzeugnisse teilhaftig wurden (187910 Mark, 1885 30 Mark, 1887 50 Mark, 1892 35 Mark fürdie Tonne Weizen oder Roggen). Trotzdem gingen auch auf demJulaudsmarkte die Preise beträchtlich herunter. Die Tonne bay-rischen, guten Mittelweizens, die im Durchschnitte der Jahre 1879bis 1883 noch 215.3 Mark gekostet hatte, wurde 1894 mit 155.8,1895 mit 164.3 Mark bezahlt. Der Tonnenpreis des entsprechendenRoggens fiel während des gleichen Zeitraumes am gleichen Ortevon 174.6 Mark auf 122.5 Mark uud 134.7 Mark. AnderePreisermittelungen für die Jahrzehnte von 1879 bis 1893 findetder Leser wiederum in der Anlage 51.