Gründe des Preisrückganges der meisten AgrarProdnNe,
417
Die Gründe dieses allgemeinen Preisrückganges sindheute jedermann bekannt. Auch diejenigen Theoretiker, die geneigtsind, der Baissespekulation an der Börse einen (meines Erachtensübertrieben großen) Anteil an dem Preisfalle zuzuschreiben, könnennicht leugnen, daß seit Ende der 1870er Jahre der Weltmarkt oderrichtiger der Markt Westeuropa mit ungeheuren Mengen billigenGetreides überflutet worden ist, das man aus dem Innern Ruß-lands, Ungarns nnd den Balkanstaaten, aus Indien, Nordamerika und Argentinien heranzuschleppen nicht müde wurde. Die Ver-vollkommuuug der Verkehrsmittel hatte die Möglichkeit geschaffen,die Erzeugnisse dieser ineist sehr fruchtbaren, durchgängig aberohne den Ballast eines hohen Bodenpreises arbeitenden Länder andie Küste und von da auf die westeuropäischen Märkte zu bringen.Ein Blick auf die Frachtsätze, die ich an verschiedenen Stellen indiesem Buche für Wasser- und Landtransport mitgeteilt habe,genügt, um die Bedeutung der Verbesserung der Transporttechnikzu ermessen. Es kam dazu, daß jeder Kilometer Eisenbahn, derin die unbesiedelten Kolonialländer hineingeführt wurde, nicht nureinen neuen Bezirk für die Ausfuhr von Bodenerzeuguisseu er-schloß, sondern gleichzeitig ein paar Tausend europäische Kolonistenin die jungfräulichen Gebiete der neuen Welt verpflanzen half.Ein wütender Konkurrenzkampf zwischen den verschiedenen Aus-fuhrländern um die Herrschaft auf den westeuropäischen Märktenbildet das letzte Glied iu dieser Kette von Ursachen, auf derenWirksamkeit die Senkung namentlich der Getreidepreise zurück-zuführen ist.
Ist es also auch klar, aus welchen Gründen die Preise dermeisten Agrarvrodukte seit Ende der 1870er Jahre fielen, fobedars es doch erst noch einer näheren Prüsung, weshalb dennein derartiger Preisrückgang, wie für die gesamte westeuropäische,so auch für die deutsche Landwirtschaft so empfindliche Nachteileim Gefolge hatte. Anders ausgedrückt: warum diese nicht odernur schwer imstande war, sich der veränderten Marktlage an-zupassen, warum sie vielmehr in weitem Umfange in einen „kritischen"Zustaud dank der geschilderten Entwickelung geraten ist. Um dieszu verstehen, müssen wir uns die Begleiterscheinungen vor