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Die Landwirtschaft.
Augen führen, die in unserer heutigen Wirtschaftsordnung mit jederPreishausse für die Landwirtschaft verbunden zn sein Pflegen.
Steigende Preise bedeuten wie überall so auch in der Land-wirtschaft zunächst steigende Geldertrage. Mit den vermehrtenGelderträgen gewinnt aber auch die Quelle entsprechend an Be-deutung, aus der sie fließen; das heißt: steigende Gelderträgebedeuten Steigerung des Bodenwertes. Diese wiederum findet ihrenAusdruck sowohl in steigender Grundrente, wie sie in dem Steigender Pachtpreise zur Erscheinung kommt, als auch iu steigendenBodenpreisen, deren Höhe man zu erkennen vermag, sobald einBesitzwechsel stattfindet. Nun ist es aber ferner eine ganz allgemeingemachte Beobachtung, daß iu Zeiten aufsteigender Konjunktur derGrund und Boden infolge freiwilliger Veräußerung häusiger seinenBesitzer wechselt: der frühere Eigentümer hat Lust zu verlausen,um deu gestiegenen Bodenwert in klingende Münze unizusetzen, einKäufer aber findet sich leicht, weil die Aussicht auf die zukünftigeSteigerung zum Kaufen reizt. Einige ziffermäßige Anhaltspuuktezur Ersassung dieses naturgemäßen Vorgangs bietet die Anlage 52.Der Glaube an eine Dauer der Preishausse verbreitet sich in allenTeilen der Bevölkerung. Deshalb ist man bei Erpochtung oderErwerbung eines Grundstückes geneigt, höhere Preise zu zahlen,als sie der augenblicklichen Preislage auf dem Produkteumarkteentsprechen, gleichsam also die zukünftigen Mehrerträge zu dis-kontieren.
Das alles sind bekannte Dinge, deren wir uns nur zur rechtenZeit erinnern müssen. Um aber nachzuweisen, wie die geschildertenZnsammenhänge zu tatsächlicher Verwirklichung in der deutsckenLandwirtschaft während der Jahre von 1850 bis 1875 gelangt sind,bedarf es vielen statistischen Materials, mit dem ich den Text nichtgern belasten möchte. Ich stelle deshalb in einer besonderen An-lage 53 eine Reihe von Tatsachen zusammen (über ihre Herkuustgibt mein Kapitalismus Aufschluß), in denen sich die Bewegungder Erträguisse, der Grundrente, der Pacht- und Güterpreise währenddes genannten Zeitraumes und teilweise in den ihn begrenzendenZeitläuften widerspiegelt. Sie machen ersichtlich, wie seit der Mittedes Jahrhunderts bis zum Ende der 1870 er Jahre und selbst