Das Verschuldungsproblem erscheint als das bedeutsamste der Agrarpolitik. 425
Verhältnisse denen Westelbiens verwandter sind, als denen jenseitsder Elbe . Diese günstigere Stellung des Bauertuins wird dannaber noch dadurch verstärkt, daß die bäuerlichen Wirtschaften imVerhältnis stärker als die Gutswirtschasten an der Hcrvorbringungsolcher Produkte beteiligt sind, deren Preise der allgemeinen Senkungweniger oder gar nicht unterworfen sind, also namentlich des Viehesund seiner Erzeugnisse.
Freilich soll man, wenn man ein abschließendes Urteil überdie Widerstandskraft der einzelnen Wirtschaftsgruppen oder dersie vertretenden Wirtschaftssubjekte, gewinnen will, die bedeut-same Tatsache in Rücksicht zu ziehen nicht unterlassen, daß scheinbarjetzt auch die bäuerlichen Wirtschaften erst recht anfangen, sich mitSchulden vollzusaugen. Und an dem Maße der Verschuldung, dasmüssen wir festhalten, hängt Wohl und Wehe der ländlichen Wirt-schaft. Hier, wo es immer nur die Klarlegung der bestehendenVerhältnisse gilt, ist nicht der Ort, das Problem der Verschuldungunter wirtschaftspolitischem Gesichtspunkte zu betrachten. Nur dieFeststellung möchte ich zum Schlüsse dieses Kapitels machen, weilsie sich als das natürliche Ergebnis aller vorhergehenden Erörte-rungen gleichsam von selbst aufdrängt: daß, alle andern Problemean Größe und Bedeutung weit überragend, in der Sphäre derLandwirtschaft das Verschuldungsproblem sich heraushebt. Ja, ichglaube, man übertreibt nicht, wenn man sagt: das allgemeineProblem der Agrarpolitik (die „Arbeiternot", die daneben drohendihr Haupt erhebt, bildet ein Problem doch nur für einen Teil dergrößeren Wirtschaften) ist die Frage, wie man der zunehmendenVerschuldung Einhalt tun könne, ohne den ökonomischen Fort-schritt der Landwirtschaft allzusehr zu verlangsamen. Aber wiegesagt: das alles gehört nicht hierher und muß der Erörterungin auderm Zusammenhange vorbehalten bleiben.
Ich möchte vielmehr dieses Kapitel mit einem ganz andernGedanken endigen, den die in ihm eingeschlossenen Betrachtungenauch dem Leser werden nahegelegt haben: dem Gedanken nämlich,daß das Schicksal einer so breiten Bevölkerungsschicht, wie derLandwirte, offenbar stark beeinflußt worden ist durch Vorgänge,die sich nicht im Rahmen der deutschen Volkswirtschaft selber ab-