Wie der Kapitalismus Deutschland in ein Einfuhrland verwandelt. 439
Gewalt im neunzehnten Jahrhundert besitzen, Staaten auf andereGrundlagen zu stellen als auf denen sie Jahrhunderte lang geruht.
Schon seit einiger Zeit hatte es das Kapital für vorteilhafterachtet, fremde Bodenerzeugnisse mit den einheimischen in Wett-bewerb treten zu lassen, auch als diese noch beträchtliche Über-schüsse lieferten: man schlug das Leiueu uud den Wollstoff durchdas billigere Fabrikat aus Baumwolle aus dem Felde. Hier warder Grund der Einfuhr von Produktiousmitteln die Minderwertig-keit des neuen Konkurreuzstoffes gewesen. Die Baumwolle bliebaber doch eine Ausnahme.
Die grundsätzliche und allgemeine Neuordnung der Dingenahm erst ihren Anfang, als unter dem Einflüsse des gewerblichenKapitalismus sich die Industrie immer weiter ausdehnte uud mitihren Folgeerscheinungen: Zunahme der Bevölkerung und Städte-bildung behufs Beschaffung der erforderlichen Produktionsmittelso hohe Anforderungen an die Erzengnisse des vaterländischenBodens stellte, daß sie entweder technisch oder doch wenigstenswirtschaftlich (zu annehmbaren Preisen) nicht mehr von der ein-heimischen Landwirtschaft befriedigt werden konnten. Der innereMarkt sog zunächst alle Bodenüberschüsse au, die ehedem aus-geführt worden waren. Bald aber genügteu die Bodenerträge —trotz ihrer, wie wir gesehen haben, außergewöhnlich starken Ver-mehrung — uicht mehr, um den Bedarf der Industrie an Pro-duktionsmitteln (wozu ich natürlich auch Gerreide und Vieh rechne)zu decken.
Um den Folgen dieser mißlichen Knappheit zu entgehen, gabes zwei Answege. Deutschland hat sie beide beschritten. Dereine sührte unter die Erde im eigeneil Lande, der andere aus dieBöden fremder Länder.
Unter der Erde im eigenen Lande fanden die deutschen Pro-duzenten Zementlager, Kalisalzlager, vor allem aber natürlichKohlen- und Eisenerzlager. Verdrängung der organisierten Materiednrch die organisierte lautet, wie wir wissen, die Losung, unter derein großer Teil der modernen Industrie ihren Siegeslaus angetretenhat. Jeder eiserne Träger, jeder eiserne Mast machte einenBanm im heimischen Walde entbehrlich. Der künstliche Dünger