ersetzte eine Menge Vieh, die Anilinfarben gaben die Ackerflächen,die ehedem mit Krapp oder Waid bestanden waren, zn andererVerwendung frei.
Aber es ist einleuchtend, daß hierdurch nicht voller Ersatz fürdie knapper werdenden Bodcnerzeugnisse geschaffen werden konnte.So mußte man denn den andern Ausweg beschreiten: man mußtedie Ernten fremder Länder zn Hülfe nehmen, um sich die Elementefür die nationale Produktion zu verschaffen. Was Deutschland heute vom Auslande einführt, sind zu vier Fünftel Produktions-mittel: 1900 für etwa 4800 Millioueu Mark von 6000 MillionenMark, während noch im Jahre 1840 über zwei Fünftel der Ge-samteinfuhr aus genußreifen Gütern bestand, und zwar überwiegendKolonialieu und verwandten Genußgütern, wie die Zusammen-stellung in Anlage 56 ersichtlich macht.
Sofern nun die eingeführten Produktionsmittel zur Erzeugungvon Lebensmitteln dienen, oder auch genußreife Lebeusmittel (wasebenfalls in beträchtlichem Umfange geschieht: vgl. immer Anlage 57)über die Grenze kommen, wird in wachsendem Maße die Möglichkeitgeschaffen, die übrigen Produktionsmittel als Rohstoffe hereinzu-nehmen und den Produktionsprozeß von Anfang bis zu Ende nachDeutschland zu verlegen: das bedeutet zunehmende Tendenz, Wolle,Baumwolle, Flachs, Hanf und Jute statt Garn, Häute statt Leder,Erze statt Roheisen eiuzuführen. 1880 entsprach einer Spinn-stoffeinsuhr von 327 500 t eine Garneinfuhr von 39 400 t, 1900war jene auf 667100 t, diese auf nur 57.300 t angewachsen.1880 wurden neben 31500 t Häuten noch 5723 t Leder eingeführt,1900 neben 60 000 t Häute nur noch 2660 t Leder. 1880 betrugdie Menge der eingeführten Erze nur wenig mehr als das Doppelte(607 007 t) des eingeführten Roheisens (238 572 t): im Durchschnittder Jahre 1898/1900 fast das siebenfache (vgl. Anlage S8).
In der vorhin beliebten Ausdrucksweise heißt das: Deutschland tauscht immer weniger fremde Arbeit und immer mehr fremdenBoden ein. Es liefert Arbeit selbst genug, mehr als geuug. WaSihm fehlt ist Bodeu und immer wieder Boden, Boden der tropischen,vor allem aber Boden der gemäßigten Zone.
Das scheint mir in der Tat die Pointe der ganzen Umwäl-