Ist das deutsche Vvlk fähig, sich aus eigener Bvdenkraft zu erhalten? 44t
zuug zu sein, die das neunzehnte Jahrhundert für Deutschland gebracht hat. Am Anfang bot der Bvden des deutschen Reichsso viel Raum, daß neben dem eigenen Volke noch fremde Völkermit darauf stehen konnten. Am Schlüsse sind die fremden Völkerlängst davon verdrängt (Deutschland sührt allerdings auch jetztnoch Bodenerzeuguisse aus, aber doch eben längst nicht so viel wiees fremde einführt), die deutsche Nation hat aber selbst keinenPlatz mehr und hat immer mehr Auslandsboden mit Beschlagbelegen müssen. Anders ausgedrückt: vor hundert Jahren trng derdeutsche Boden die deutsche Volkswirtschaft ganz und einige Teilefremder Volkswirtschaften außerdem, heute ist das Fundamentumder deutschen Volkswirtschaft weit über die Grenzen Deutschlands hiuaus, tief in fremde Länder hinein ausgedehnt worden.
Man weiß, daß die hierdurch gekennzeichneten Veränderungen(wenn auch vielfach in fchiefer Beleuchtuug) gerade in den letzte»Jahren de§ scheidenden Jahrhunderts Gegenstand lebhafter Er-örterungen gewesen sind, weil man sie in Zusammenhang mitden Problemen der Handelspolitik gebracht hat. Obwohl nunin diesem Buche jedes politische Räsouneinent streng verpönt ist,so kann ich doch nicht umhin, an dieser Stelle wenigstens einigeder zur Diskussion stehenden Tatsachenbestände der kritischen Sondezu unterwerfen, selbstverständlich uur innerhalb des Rahmens, derder wissenschaftlichen Betrachtnng gesteckt ist. Ich möchte vorallem dem Gedanken Ausdruck verleihen, daß es meines Tr-achtens eine geradezu abenteuerliche Vorstellung ist, zu glauben,eilt Volk wie das deutsche sei noch der Erhaltung aus eigener(Boden-)Kraft fähig. Dabei bleibt ganz außer Betracht, ob esmehr oder weniger wünschenswert sei, daß ein Volk bodenständigbleibe oder nicht. Alle Diskussion des detter or vvorss ist vonvornherein mit dein Makel der Unwissenschaftlichkeit behaftet. Manmuß sich deshalb auch sehr Wohl hüteu, in die wissenschaftlicheDiskussion so gänzlich unbestimmte Begriffe wie kulturell entbehrlicheoder uueutbehrliche Dinge einzuführen. Absichtlich habe ich bishernach Möglichkeit die Unterscheidung uuserer Einfuhr nach denKategorien „Nahrungsmittel", „Rohstoffe für die Industrie" usw.vermieden, weil dadurch, wie ich glaube, falsche Vorstellungen wach-