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gerufen werdein als ob jene weniger entbehrliche Dinge seien alsdiese. Davon ist keine Rede: der Spinnstoff ist nicht „entbehr-licher" als das Getreide. Beides sind zunächst Produktionsmittel,die einer Industrie ihr Dasein ermöglichen. Die aus ihnen er-zeugten Genußgüter siud aber doch auch inkommensurabel, was ihre„Entbehrlichkeit" anbetrifft: man kann doch nicht daran denken,die Meuscheu nur zu ernähren, sie aber nackt gehen zu lassenohne Wohnungen, ohne Geräte, in denen sie die Speisen kochen,mit denen, von denen sie essen. Schnurrige Vorstellung das: eineHerde nackter Meuscheu ohne alle Gebranchsgüter außer dem Mehl-brei, den sie zu ihrer Lebensfristuug gebrauchen. Wobei zu berück-sichtigen bleibt, daß auch der Mehlbrei zu seiner Herstellung immer-hin noch einiger Produktionsmittel benötigt, die möglicherweise ausdem Auslande stammen.
Ich will vielmehr nur an einigen Ziffern ersichtlich zu machenversuchen, in welchem llmfange die deutsche Volkswirtschaftteils Hu'ells s8t> auf ausländischem Boden ruht. Zu diesemZiele führt, wie mich däucht, nicht der Weg, den einige Volkswirtevor mir eingeschlagen haben <z. B. Paul Voigt in einer lesenswertenStudie im Jahrgang 1897 der „Preußischen Jahrbücher "), näm-lich die Berechnung des Wertes der eingeführten Bodenerzeugnisseund die Beziehung des Wertes aus den der einheimischen Boden-produttion. Worauf es vielmehr ankommt, ist: eine Vorstellungzu gewinnen von der Bodenfläche, die zur Erzeugung der ein-geführten Produkte über diejenige des Deutschen Reichs hinaus er-forderlich ist. Denn eS handelt sich ja gerade bei der Einfuhrvielfach um die Erzeugnisse sehr extensiver Anbanweisen.
Gemeinhin, wenn man die Frage auswirft: was müßte diedeutsche Landwirtschaft mehr liesern, um Deutschlands Volkswirt-schaft wieder bodenständig zu machen, denkt man nur an die Er-zeugung von Getreide und Vieh zur Eruähruug. Da kommt maudenn auf Ziffern wie höchstens ein Fünftel, was an Mehrertragüber die heutige Produktion hinaus bedurft würde. Das wäre jaallenfalls (und ist sogar sehr wahrscheinlich) durch Steigerung derIntensität des Anbaus leicht mehr zu erzengen. Nun komme ichaber mit folgenden Erwägungen: