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Mark rechnet. Das ergäbe zuschläglich jener 7 bis MilliardenMark Kapitalanlage 20 Milliarden Mark, von denen Deutschland die Zinsen (also in Höhe von etwa 1 Milliarde Mark) vom Aus-lande bezieht. Um diesen Betrag kann es unentgeltlich Waren ein-fahren. Aber es ist erst ein Sechstel seines gesamten Einsuhr-bedarfes. So muß es für fünf Sechstel Gegenleistungen machen.Diese bestehen in Höhe von etwa '/^ Milliarde in Seetransport-gewinnen. Um den Rest der Einfuhr, also im Werte von rund-t' l Milliarde Mark, sich zu verschaffen, bleibt ihm nichts anderesübrig, als selbst sich zur Warenlieferung an das Ausland, alsozur Ausfuhr zu entschließen. Der Leser ersieht, daß in der Tatsast genau um den angegebenen Betrag l1900 für 4752.6 Milli-^ arden Mark) Güter aus Deutschland versandt werden.
Die ?ise6 Äe resi8tanes unserer Ausfuhr bilden heuteFabrikate höherer Ordnung, worunter ich solche verstehe, in denenein großer Arbeitswert und ein geringer Bodenwert oder so gutwie gar kein Bodenwert (Erzeugnisse des Mineralreichs!) steckt: alsoTextilfertigfabrikate, Eisenfabrikate, chemische Produkte, Farbendruck-bilder, Kupferstiche, Kleider und Putzwaren, Steinkohlen, Zucker(als Spezialität!): von diesen Erzeugnissen betrug (1901 > der Wert-anteil an der Gesamtaussuhr je mehr als 2"/^. Deutschland be-zahlt also — man darf getrost sagen, denn es kann gar nichtanders seiu: in wachsendem Umfange — fremden Boden mitheimischer Arbeit, zum Teil auch noch mit den (unverarbeiteten)Überschüssen seiner unter der Erde ruhenden Schätze: Steinkohle!
Überblickt man die geographischen Beziehungen desdeutschen Außenhandels — vgl. Anlage 58 —, so findet man diehier vertretene Ausfassuug vom Wesen des modernen internationalenGüteraustausches voll bestätigt. Deutschland bezieht aus Österreich-Ungarn, Rußland, Schweden-Norwegen, Italien, den VereinigtenStaaten, den englischen Kolonien «über England !» nnd den exotischenLändern die wenig oder gar nicht bearbeiteten Erzeugnisse ihresBodens, um die Erzeugnisse seiner Arbeit dorthin zu senden. Daßsich natürlich neben diesen beiden großen Warenströmen eine tausend-fältige Kreuzung aller möglichen Handelsbeziehungen zwischen deneinzelnen Ländern ergibt, bedarf erst keiner weiteren Hervor-