Die Handelsbilanz der Ausfuhr- und Einfuhrländer. 445
nünftigen Handelsbilanz keinerlei Schwierigkeiten: das Prins istdie Ausfuhr, es entsteht also für die Nation ein Aktivsaldo. Dieskann sie nach Belieben zur Schatzbildung verwenden, oder zumAnkauf irgendwelcher appetitlicher Luxusgegenstände, wenn sienicht etwa (was ja meist der Fall ist) Schuldzinsen an Nachbar-staaten zu entrichten hat. Ausfuhrländer haben meist aktiveHandelsbilanzen. Viel problematischer gestaltet sich die Frage derHandelsbilanz für ein Einfuhrland. Dieses hat Bedarf an Güter-zufuhr, es muß also darauf sinnen, wie es sich diese verschafft.Die bequemste Form der Beschaffung ist die Tributerhebung: manlegt diesem Lande die Lieferung von so und so viel Wolle, jenemvou so und so viel Holz auf usw. Doch ist diese unverhüllte Tribut-erhebuug selbst bei Völkern, die Kolouieu haben, wie man weiß, „heute nicht mehr üblich. Sie war beispielsweise der Weg, ans demsich Rom die Erträgnisse fremder Boden aneignete. Eine verschleierteTributerhebung besteht aber auch heute; sie greift sogar immerweiter um sich. Sie erscheint in der Form des Bezuges vonKapitalprofit, Darlehnszinsen usw., zu dem die Hingabe von Wert-summeu an sremde Völker berechtigt. Es ist wohl erst ein Er-gebnis der ungeheuren Kapitalanhänsung der letzten Jahrzehnte,daß die Zinsen der in fremden Ländern angelegten Vermögen sobeträchtliche Summen ergeben, um für die Handelsbilanz ins Ge-wicht zu fallen. Noch der kenntnisreiche alte Rau (Z 420 seinerGrundsätze) denkt an diese Möglichkeit gar nicht. Er führt alsein Mittel, Waren ohne Gegenleistung in Waren oder Geld vomAuslande zu beziehen, vielmehr nnr den Fall der Schuldausuahmean: das borgende Volk kanfe von dem leibenden mehr Güter alses „außerdem" tuu würde: es empfauge also einen Teil der ge-liehenen Summe in der Form (unbezahlter) Waren. Heute ver-anschlagt man die Höhe des Kapitals, das Deutschland werbendim Auslande angelegt hat, auf 7 bis 7^ Milliarde Mark, dieVereinigten Staaten nicht einbegriffen (Denkschrift des Reichsmarine-amts vom Jahre 1899). Anfang der 1890 er Jahre bezifferteSchmoller den Betrag auswärtiger Effekten in deutschem Besitz(meist Staatspapiere) auf 10 Milliarden Mark. Man wird nichtzu hoch greifen, wenn man heute mit 12^/, bis 13 Milliarden