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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
Seite
449
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Ein Urteil über die Aussicht d. Handels mit Amerika aus d, 1840er Jahren. 449

Jahr zu Jahr weniger bedürfen; namentlich von den Geweben, inderen Herstellung der Umstand diese Staaten nicht wenig begünstigt,daß sie den Rohstoff selbst erzengen-, wie dies ganz besonders mitder Baumwolle der Fall ist, und daß sie ferner im Maschinellenso weit vorgeschritten sind als, die Briten ausgenommen, fastkeine europäische Nation. Es möchte unter diesen Umständen selbstdann, wenn die neuerlich hier eingeführte hohe Besteuerung fremderFabrikate nicht Bestand haben sollte, höchstens nur für ein-zelne europäische Waren hier ein bedeutender Absatzserner noch zu erwarten sei."

Ebenso, wie ich es mir versagen mnß, Ausblicke in die Zukunftzu tuu, verzichte ich natürlich auch darauf, irgend eine praktischeSchlußfolgerung aus den gemachten Feststellungen zu ziehen. Hierkommt es nur darauf an, daß diese selber sich dem Leser denkbarklar und deutlich einprägen. Deshalb möchte ich dieses Kapitelnicht schließen ohne einige Bemerkungen allgemein orientierendenInhalts, die deshalb ganz besonders nötig erscheinen, weil meinehier vertretene Auffassung von der Bedeutung des inneren undäußeren Marktes für Deutschlands Volkswirtschaft schon bei früherenGelegenheiten Mißverstündnissen begegnet ist.

Auf den ersten oberflächlichen Blick könnte es scheinen, als stün-den der erste und der zweite Teil dieser Ausführungen in einemGegensatze zu einander, als höbe ich in dem zweiten Teile wiederauf, was ich im ersten mit solcher Entschiedenheit behauptet habe.

Sieht man jedoch näher zu, so verschwinden die scheinbarenWidersprüche, und die einzelnen Teile fügen sich zu einer durchauseinheitlichen Gesamtauffassnng gut ineinander. Wogegen ich micham Eingange dieses Kapitels gewandt habe, war die allzu häufigvertretene Meinung, die Entwickelung führe zu einer immer engerenVerschlingung der einzelnen Volkswirtschaften im Sinne wachsendernationaler Differenzierung einerseits (Standpunkt des landläufigenOptimismus), zu einer wachsenden Bedeutung des Weltmarktes,namentlich für die Ausfuhrindustrie, die die fremden Märkteabsage, unter den Peitschenhieben eines rasend gewordenenEx-portindustrialismus", dieweil der inländische Markt einer Aus-dehnung uicht fähig sei (landläufiger Pessimismus). Demgegen-

Sombart , Vollswirtschast. 29