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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
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Die deutsche Volkswirtschaft und der Weltmarkt.

über habe ich zisfermäßig festzustellen versucht, daß eher das Gegen-teil zutrifft: daß die einzelnen Volkswirtschaften immer vollkom-menere Mikrokosmen werden, und daß der innere Markt für alleGewerbe den Weltmarkt immer mehr an Bedeutung überflügelt.

Um jedoch so wurde nun weiter gefolgert diese Ent-wickelung der deutschen Volkswirtschaft zu ermöglichen, muß sieihre Basis erweitern, muß sie die Erträge fremden Bodens inwachsendem Umfange sich aneignen. Verglichen also mit dem ur-sprünglichen Standort der deutschen Volkswirtschaft nehmen dieweltwirtschaftlichen Beziehungen an Bedeutnng zu, ich mochtesageil: an Extensität. Rascher jedoch schwillt die volkswirtschaftlicheTätigkeit ans dem deutschen Reichsgebiete an, als die Bezüge ansdem Auslande, so daß, wenn wir Volkswirtschaft und Außenhandelin Vergleich ftelleu, dieser einen immer geringeren Anteil hat.Nehmen also die weltwirtschaftlichen Beziehungen an Extensität zu,so nehmen sie (wie man sagen konnte) an Intensität ab; besser: sowerden sie von der volkswirtschaftlichen Entwickelung im Innern anIntensität übertroffen. Nun aber die Pointe: um den intensivenEntwickelungsgang der einheimischen Volkswirtschaft zu ermöglichen,müssen die internationalen Handelsbeziehungen an Extensität stetigwachsen. Um dem inneren Markt seine znnehmende Bedeutnng zusichern, muß der auswärtige Handel an Ausdehnung gewinnen.Deutschlands Handel, so saheu wir, ist heute wesentlich Einsuhrhandel.Die Ausfuhr dient nur als Bezahlung. Der Einfuhrhandel aber ver-schafft uns erst die Möglichkeit, ein Volk, wie das deutsche, auf sowinzigem Gebiete, wie dem deutschen Reiche, überhaupt zu erhalten.

Der Einfuhrhandel weitet, wie nun schon zum Überdrußhäufig gesagt ist, den Bodenspielranm, ans dem wir stehen. Aber nichtnur mittels der fremdeil Bvdenerzeugnisse, die er hereinbringt. Vielmehr noch, weil er allein es ist, der die Landwirtschaft inihrer heutigen Gestalt möglich macht, vor allem eine ver-hältnismäßig schon so hohe Stufe iuteusiver Bodennutzung, alsoeine so große Ertragsfähigkeit. Nnr weil das Ausland alle dieErzeugnisse einer extensiveren Wirtschaft Wolle, Häute, Borsten,Holz usw. uns liefert, kann unsere Landwirtschaft sich der inten-siven Produktion unserer Nahrung widmen. Sie würde es viel-