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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
Seite
458
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-15.8

Wirtschaft und Kultur.

ciustimmnng mit demJahrbuch deutscher Städte" die Ziffer von50000 Einwohnern für eine natürliche Grenze. Deshalb erscheintes mir, als ob die veränderte Sachlage sich in keiner anderenZiffer so deutlich ausspreche als in der nachstehenden. In Städtenmit mehr als 50000 Einwohnern lebten in Deutschland 1843:1229 681 Meuscheu, d.h. 3.5 ^ der Gesamtbevölkcruug, im Jahre1900 (1. Dezember) 11861924 Menschen, d. h. 21.9 «/g der Ge-samtbevölkerung. Der Löwenanteil dieser Bevölkerung entfällt aufdie Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern. Dieser Städtegab es im Jahre 1871 acht, und es wohnten in ihnen 5.34 °/gder Gesamtbevöikerung; im Jahre 1900 gab es 33 solcher Städte,in denen 16.36 der Gesamtbevölkerung wohnte».

Und der Menschenmenge entspricht die Gütermenge, die dasneunzehnte Jahrhundert zu erzeugen uns befähigt hat. Ja, es istdie Vermehrung des Gütervorrats, über den wir zu Zweckenunseres Gebrauches verfügen, in einem noch viel rascheren Tempoerfolgt als die Zunahme der Bevölkerung; mit anderen Worten:wir besitzen heute zu Konsumtionszwecken nicht nur doppelt so vielGüter wie vor hundert Jahren (also daß auf den einzelnen diegleiche Menge entfällt) sondern weit mehr als das Doppelte, vielleichtdas Dreifache oder das Vierfache. Der Nationalökonom Pflegt dieseGütervermehruug (oder die Fähigkeit zur Mehrerzeugung vonGütern) als Steigerung des Nationalwohlstandes, Zunahmedes Reichtumes zu bezeichnen. Und diese ist denn während desverflossenen Jahrhunderts in der Tat eine unerhörte, nie zuvorerlebte gewesen. Ich muß hoffen, daß ich für diese wichtige Tat-sache in dem vorausgehenden dritten Bnche den quellenmäßigenNachweis erbracht habe. Aus jeder Zeile mußte es dem Leser,denke ich doch, förmlich entgegenschreien: Steigerung der Produk-tivität, Mehrproduktion, Anwachsen des verfügbaren Gütervorrats.Daß dieser sich als Volksvermögen in den dauernden Anlagen derNation, den Verkehrsstraßen, Fabriken, Gebäuden, Hauseinrichtungenund tausend anderen Verwendungen niederschlägt und alsdann (inwachsendem Umfange) zu längerer Nutzung zur Verfügung stehtoder als Volkseinkommen zu jährlichem Verzehr gelangt, mag nochergänzend hinzugefügt werden, auch daß es der Eigenart unserer