Der Ortswechsel als Massenerschcinung,
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848 092 000 Personen wurden im Jahre 1900 auf den voll-svnrigen Eisenbahnen befördert. Rechnen wir noch die auf denKleinbahnen gefahrenen (22.9 Millionen), die die Post benutzenden(3.1 Millionen) und die auf Dampfschiffen herumreisenden Per-sonen dazu, so wird die Zahl der Leute, die sich eines öffentlichenVerkehrsmittels zur Beförderuug von Ort zu Ort bedienen, heutevon einer Milliarde nicht allzuweit entfernt seiu. Etwa dreiViertel Milliarden, fahen wir, fährt jährlich in den Straßender Großstädte in großen Glaskasten hin und her. Und sichernoch eine zweite halbe Milliarde benutzt Droschken und anderesPrivatfnhrwerk, um sich gelegentlich an einen andern Ort zn begeben.
Also durchschnittlich bedient sich jeder Einwohner des DeutscheuReiches im Laufe des Jahres 35 bis 40 mal eines Vehikels, umeine mehr oder weniger lange Strecke auf der Erdoberfläche sichverschieben zu lassen. Die Zwecke dieser Ortsveränderung siudmannigfaltig, bald sind es vergnügliche, bald geschäftliche. Dagegenist der großen Mehrzahl dieser Beförderungsakte gemeinsam, daßder Wandernde den Ortswechsel vornimmt, ohne sein Domizil,auch ohne seine Wohnung zu wechseln. Er kehrt vielmehr nachbeendigter Fahrt zu den heimischen Penaten am gewohnten Ortezurück.
Dagegen müssen wir nun noch des ebenfalls immer häufigerenFalles gedenken, daß die Menschen ihr Heim wechseln, also:daß eine Veränderung der Wohnung innerhalb derselben Stadt,des Wohnortes innerhalb desselben Landes eintritt oder aber,daß das Land selber, in dem sie ihren Wohnort aufschlagen, miteinem andern vertauscht wird. Man kann diese Erscheinungen, dieman unter der Bezeichnung der Wanderungen zusammenfaßt,insgesamt auch unter den: Gesichtspunkte verringerter Seßhaftigkeitbetrachten. Man traut seinen Augen nicht, wenn man die Ziffernder Nmzüge sieht, die innerhalb unserer Großstädte Jahr für Jahrbewerkstelligt werden. In einer Stadt wie Breslau , von 400 000Einwohnern, wechselt annähernd die Hälfte (1899 ^ 194 602)jährlich die Wohnung! Und ebenso gewaltig ist die Bewegungvon Ort zu Ort innerhalb des Landes. Es wurden (1899) ge-meldet (wohl gemerkt: ausschließlich der Reisenden!)