Insbesondere die Wandernngen.
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amt, dagegen 373 im übrigen Bayern , 38 in andern Staatendes deutschen Reichs und 16 im Auslande geboren waren. Ausdem Platten Lande waren die entsprechenden Zahlen 846, 138, 9, 7.Viel geringer aber ist die Ortsgebürtigkeit, wie gesagt, bei dergroßstädtischen Bevölkeruug. Hier waren 1890 von 1000 Ein-wohnern nur noch 473 am Orte geboreu.
Eine starke Bewegnug in die deutsche Bevölkerung bringt abernicht nur dieser Domizilwechsel, dem sich immer größere Teile derBevölkerung unterziehen, sondern auch die periodischen Wande-rungen, wie sie namentlich in der Forin der sogenannten Sachsen-gängerei sich seit einer Reihe von Jahren regelmäßig in der Früh-jahrs- uud Herbstzeit abspielen. Schon seit altersher ist iu ver-schiedenen Gegenden Deutschlands der wandernde landwirtschaftlicheSaisonarbeiter eine bekannte Erscheinung, aber erst die Entwicke-lung der modernen Landwirtschaft hat ihn zu einer Massenerschei-nung werden lassen. Denn mit dieser erst ist die Landwirtschaftein ausgesprochenes Saisongewerbe geworden, das den zwei- oderdreifachen Bedarf an Arbeitskräften in der Sommers- uud Herbst-zeit hat. Da nun, wie wir wissen, der Mittelpunkt der intensivenLandwirtschaft in Deutschland die Provinz Sachsen und die an-grenzenden Landesteile sind, so war hier ein starker Anziehungs-punkt für überschüssige Bevölkerungsmassen anderer Gebiete mitweniger fortgeschrittener Landwirtschaft geschaffen. Diese Gebietewaren zunächst die östlichen Teile Deutschlands selbst und sind esheute zum Teil noch geblieben. Inzwischen ist aber (zumal seitdem Ausschwuuge in der Industrie) der Arbeitermaugel auf demLande allerorts so gewachsen, daß die deutschen Ostliuge den Be-darf der westlichen Provinzen nicht mehr zu decken vermögen. Sosind denn ihnen nach und an ihre in den Ostprovinzen des Reichssreigewordene Stelle in wachsendem Umfange russische und galizischeWanderarbeiter herangezogen worden. Im Jahre 1890, als dasAushebungsgebiet für die Sachsenganger noch im wesentlichendie Provinzen Schlesien, Posen, Westpreuszeu, Brandenburg waren,schätzt Karl Kaerger ihre Zahl auf 100 000. Jetzt sind es, ein-schließlich der nachschiebenden Fremdlinge, zwei- bis dreimalhundert-tansend Menschen, die alljährlich ihre östliche Heimat verlassen,