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Wirtschaft und Kultur.
Mittel zur Herbeiziehung von Abonnenten; so werden denn teureRedakteure angeworben, die eigens dazu da sind, den Lesern dieTagesrationen an Literatur, an Kunst- uud Musikberichten zuzu-messen. Die Illustration hilft nach. Und neben den Tageszeitungendie Unsumme von Kunst-, Musik- und Literaturblättern, diewöchentlich oder monatlich erscheinen und denen ebenfalls dievollendete Reproduktionstechnik ein immer glänzenderes Geprägeverleiht.
Und nun wieder die Kollektivdarbietungen, die „öffentliche"Schaustellung, die immer mehr den Ton bestimmt. Das Museum,das Kouzert, das Theater: sie bestanden wohl auch schon vorhundert Jahren, und namentlich das Theater spielte in dem Lebendes literarischen Menschen eine vielleicht größere Rolle als heute.Aber was bedeuten die gelegentlich in den Städten auftauchendenSchauspielertruppen verglichen mit den ständigen Theatern,die heute fast in allen größeren Städten angetroffen werden?Auch hier hat unser Jahrhundert erst die Masse gebracht. Heuteerst ist das Theater der rechte Literaturomuibus geworden. Dasgilt aber gewiß in noch viel höherem Maße für das Konzert, denMusikomnibus und das öffentliche Museum, den Kunstomnibus.Vor hundert Jahren waren nur wenige Militärkapellen vorhanden,die hier und da (wie noch heute in Italien !) auf öffentlichen Plätzenihre Weisen ertönen ließen. Und bei festlichen Gelegenheiten spieltendie Stadtmusikanten. Musikmachen galt als etwas Intimes. Heuteherrscht an allen Orten die Konzertpest, könnte man sagen, wenndamit nicht ein abfälliges Urteil verbunden wäre. Konzerte früh,mittag und abend; schlechte, mittlere und gute; leichte und schwere;drinnen und draußen. Erwerbstätige Personen, die sich mit Musik-machen, Theaterspielen und Veranstaltung sonstiger Schaustellungenihr Brot verdienen, gab es 1882 in Deutschland 46508,ihre Zahl ist bis 1895 auf 65 565, also um 41»/<, gestiegen,während die Bevölkerung nur um 14°/^ sich vermehrte. ObDeutschland vor hundert Jahren schon ein öffentliches Bilder- oderSkulpturenmuseum hatte, weiß ich nicht. Bedeutend war es gewißnicht. Heute gilt auch hier die Devise: Omnibus!
Wird man aber Zusammenhänge suchen dürfen zwischen den