Entwickelung eigner Methoden zur Massenverbreitung der Bildung. 477
33000 Personen. 1835 und 1875 kamen auf 100 000 etwa 38Studenten, 1880 schon 46, 1885 waren es 57 und 1899 gar 60geworden. Aber neben den regelmäszen Unterrichtsveranstaltiingenwächst immer mehr der Umfang der gelegentlichen Darbietungenvon Wissensstoff: Vortragende reisen unausgesetzt von Ort zuOrt (eine Folge der verbesserten Transporttechnik!), um ihre Weis-heit gegen billigen Entgelt abzulegen; die Universitätsprofessorentragen in volkstümlichen Hochschulkursen die Bildung unter dieMasse; Volksbibliotheken, öffentliche Lesehallen schießen in dengrößeren Städten wie Pilze aus der Erde; belehrende Samm-lungen aller Art öffnen einem größeren Publikum ihre Pfortenzur Verbreitung naturwissenschaftlicher, ethnologischer nnd andererKenntnisse. Zoologische Gärten gab es wohl vor hundert Jahrenüberhaupt uicht in Deutschland . Heute hat fast jede Groß-stadt einen.
Uud beinahe hätte ich die Zeitung vergessen, die Tag fürTag „unter" und „über dem Strich" wahre Ströme von Bildungüber das Volk ergießt. Es ist gar uicht zu sageil, was diesesInstitut für die Verbreitung des Wissensstoffes aller Gebiete leistet.Und seine Entwickelung (endloses Papier seit 1799, Notations-presse seit 1846, dazn Eisenbahn, Telegraphie, Telephonie!) fälltfast ganz in das neunzehnte Jahrhundert. Im Jahre 1824 gabes in Preußen erst 845 Zeitungen und mit gewiß welch winzigenAuflagen! 1869 waren es 2127 geworden. Die Zahl der imNeichspostgcbiete dem Postdebit unterworfenen Zeitungen ist abervon 2122 im Jahre 1869 nochmal auf 7082 im Jahre 1891gestiegeil. Und vor allein wurden die Auslagen immer größer: dieZahl der im ganzen Deutschen Reiche beförderten Zeitungsnummernist von 519 798 000 im Jahre 1885 binnen 15 Jahren auf1431 706000 im Jahre 1900 gestiegen, zu denen noch 171164160außergewöhnliche Zeitnngsbeilagen kommen. Man denke, mandenke! Die Zeitung sitzt heute im Volke, wie die Laus im Pelze.
Und mit der Verbreitung der Wisseilschaft wetteifert die Aus-streuuug der künstlerischen Gedanken. Auch die moderneZeitung widniet sich ja höheren Kunstbestrebungen mit Vorliebe:das Feuilleton gilt für fast alle Verleger als wichtiges Attraktions-