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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
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Wirtschaft und Kultur,

heute billige (und unter Umstündet: sogar gute) Wiedergaben jeg-licher Natur- und Kunsterscheinung in die ärmste Hütte hineilt.

Bedenken müssen wir dann vor allem, daß unser Jahrhundertneben der Massenproduktion auch die Methoden der Massen-verbreitung von Bildung erst recht entwickelt hat. Wiederumhat der Kapitalismus als treibende Kraft tüchtig mitgeholfen: woer konnte, hat er die Fabrikation von Bildung preiswert!in den Bereich seiner Tätigkeit gezogen. Daneben ist es die Massesin Menschenform) selbst, die sich mit zunehmendem Wohlstande denWeg zur Bildung eröffnet und geschickt Stimmung für sich und ihreInteressen zu inachen gewußt hat. Es wurden geradezu ueueFormen für die Kollektivdarbietnttg von Bildung geschaffen, wie wirsie für die Darbietung von Gas-, Wasser-, Elektrizität- oder Traus-portleistungen bereits kennnen gelernt haben. Man könnte sagen:das OmnibuSPrinzip sei in allen Gebieten unseres Kultnrdaseinszur Anerkennung gelangt. Ich erinnere nur au einige der wich-tigeren Erscheinungen: die Ausbreitung des Volksschulunterrichts:1822 gab es im Königreich Preußen 20 440 öffentliche Volks-schulen mit 1427 045 Schulkindern, 1896 dagegen 36138 Schulenmit 5236826 Kindern: während die Bevölkerung von 11.6 auf31.8 Millionen (1895), also um 174°/^ angewachsen ist, stieg dieZahl der eine Volksschule besuchenden Kinder nin 266 °/<,. Undwie viel mehr-Unterricht genießen diese Kinder! Allerdings, dieZahl der Volksschullehrer stieg in dem angegebenen Zeitraume nichtrascher, als die Zahl der Schüler: von 22 230 auf 82 070. Aberwas ist und leistet ein Volksschullehrer heute im Vergleich mitseinen Kollegen vor hundert Jahren, als man mit Vorliebe nochausgediente Feldwebel mit dem Unterrichte der Dorfjngend betraute!Unterdessen sind das Hochschul- und Mittelschulwesen ebenfallsnicht zurückgegangeu. In Bayern haben sich die Ausgabensür Erziehung und Bildung von 1819/25 bis 1888/89 von 0.7ans 14.1 Millionen Gulden gehoben, der preußische Etat sür Unter-richt und Kultus betrug 1850 etwa 10, 1867 etwa 15, 1901 da-gegen 145 Millioueu Mark. Das Universitätsstuditim hat nament-lich im letzten Menschenalter reißend um sich gegriffen. An dendeutschen Hochschulen studierten im Jahre 1830 15 870, 1899