Steigerung der literarischen und künstlerischen Produktion.
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Gewerbetabelle) 7 840 im Buchhandel überhaupt beschäftigte Personen1146 ermittelt, 1895 (ebenfalls im Kgr. Preußen alten Bestandes,nach der Berufszählung) dagegen 15 341. Noch krasser tritt dieseVermehrung der Büchervertreiber natürlich in die Erscheinung,wenn man die großen Städte (diese „Entstehungszentren" der mo-dernen Bildung) für sich in Betracht zieht. Hatte doch Berlin im Anfange des Jahrhunderts nur etwa 30 Buchhandlungen, amEnde jedoch über 800. Und was für kleine Kabüschen mögen daszur Zeit, als die Nieolai und Konsorten sich hier das Materialfür ihre Aufklärung zusammensuchten, gewesen sein! Nehmen wirnun die durchschnittliche Auflage vor 100 Jahren mit 500, jetztnur zu 1000 au, so würde damals für jeden 16., heute schou fürjeden 2. Menschen jährlich ein Bücherexemplar hergestellt werden!
Daß sich die Bücher- — und zum Teil wohl auch, daß sichdie Bilder- — Produktion während der letzten hundert Jahre somächtig entfaltet hat, müssen wir ganz gewiß auch dem Kapita-lismus unmittelbar mit zu gute halten. Seit der Bücher- undBilderverlag für immer mehr Verleger ein Geschäft geworden ist,wie der Verlag von Hosennähterinnen und Spielzeugverfertigern,ist die ungebändigte Triebkraft des Gewinnstrebens den idealerenStrebungen zu Hilfe gekommen. Es scheint mir sogar, daß einimmer größerer Teil unserer Verlagswerke lediglich einem Ge-schäftsinteresse sein Dasein verdankt. Man braucht nur au dieKonversationslexika, an die tausend Lieferungswerke, oder an alledie Sammlungen zu denken, zn denen die Tatsache des Jahr-hundertschlusses die Anregung geboten hat.
Aber es hieße nun den Umfaug unserer modernen Bildungimmer noch gering anschlagen, wollte man ihn lediglich an der ge-steigerten Literatur- uud Bilderprvduktion messen. Bedenkeil müssenwir vielmehr, daß mit der Erzeugung auch auf vielen Gebietendie Verbilliguug der Leistungen gleichen Schritt gehalten hat.Die 10-, 20-, 25-, 50-Psennig-Kollektionen, die billigen Klassiker-ausgaben, legen dafür ebenso deutliches Zeugnis ab, wie die unaus-gesetzt während deS verflossenen Jahrhunderts vervollkommnetenund wohlfeiler gewordenen Wiedergaben von Bildwerkein Photo-graphie, Photogravüre, Heliogravüre und wie sie alle heißen, werfen