Die Einkommensverteilg, ist nicht geeignet z. Wertung e. Wirtschaftssystems. 50<>
für Jahr ein paarmal hunderttausend Menschen Hungers sterbe»,ist geradezu erstaunlich und der höchsten Bewunderung wert. Esist seltsam, daß man immer gerade aus der ungüustigen Ent-wickelung der Einkommensverteilung dem Kapitalismus den Strickhat drehen wollen. Ich kann mir denken, daß man ohne vielMühe ein Sündenregister des Kapitalismus zusammenstellt, großgenug, um gegen dieses Wirtschaftssystem in manchem Herzeit Ab-scheu und Haß zu erzeugen. Der Kapitalismus hat uus die Massebeschert, er hat unser Leben der inneren Ruhe beraubt, er hat unsder Natur entfremdet, er hat uns den Glauben unserer Pater ge-nommen, indem er die Welt in ein Rechenexempel auflöste undeine Überwertung der Dinge dieser Welt in uns wach rief, er hatdie große Masse der Bevölkerung in ein sklavenartiges Verhältnisder Abhängigkeit von einer geringen Anzahl von Unternehmerngebracht. Aber dafür hat er eines gerade in bewundernswürdigerWeise geleistet: er hat eine riesig angewachsene Menschenmengeauf das beste mit Unterhaltsmitteln zu versehen vermocht, er hatgerade das Futterproblein meisterhaft gelöst, besser als irgend eineWirtschaftsverfassung vor ihm. Stellt man sich auf den Stand-punkt der reinen Quantität — und fast alle Beurteiler stehen ausihm — so ist der Kapitalismus tatsächlich mit einem Glorien-scheine umgeben, aus dem sich mit flammender Schrift die Worteabheben: Dreißig Millionen Menschen mehr!
Nun ist aber das andere Bedenken, das jeder Versuch erweckt, ausden Ziffern der Einkommensstatistik Material für die Wertung einesWirtschaftssystems zu gewinnen, dieses: daß die Zahlen, weil reinquantitativ bestimmt, sich so vorzüglich zum Abmessen zu eignenscheinen und doch in Wirklichkeit diese Eignung nicht besitzen.Denn wir dürfen nicht vergessen, daß hinter den meßbaren Zahlen-größen die völlig nnmeßbaren Qualitäten der subjektiven Bedarfs-befriediguug stehen.
Es muß dringend vor dem Irrtum gewarnt werden: mankönne nach irgend einem Umrechnungsschematismus schließlich dochzu reinen Quantitäten der Bedarfsbesriedigung gelangen; oder mandürfe etwa den Brotpreis oder den Preis sonst eines einzelnenKonsumartikels zu Grunde legen, um daraufhin die Bedeutung