514
Die socialen Klassen.
^dee nach ein bestimmtes Wirtschaftssystem vertritt. Wobei ichunter einem Wirtschaftssysteme eine bestimmte Wirtschaftsordnungmit einem (oder mehreren) hervorstechenden Wirtschaftsprinzipienverstehe, wie der Leser ja wohl weiß. Danach wäre die Gentil-yvmmerie diejenige Klasse, die die feudal-bodenständige oder patri-archalische Gutswirtschaft repräsentiert, die Bourgeoisie wäre dieVertreterin der kapitalistischen Verkehrswirtschaft, das Kleinbürger-tum diejenige der handwerksmüßigen Wirtschaftsorganisation,während das Proletariat eine historisch noch nicht gewordene, alsonur ideale Zuknnftswirtschaft, nennen wir sie der Einfachheithalber die sozialistische, zu vertreten hätte. Was dann im einzelnennoch zu erläutern sein wird.
Hier möchte ich nur noch einige Bemerkungen allgemeinen In-halts machen, um Mißverständnissen vorzubeugen. Zum erstem indem auch von mir angenommeneu Klassenschema fehlt das Bauern-tum, also der in den meisten Ländern noch heute wichtigste Be-standteil der Gesellschaft. Das beruht nicht etwa auf eiuem „Über-sehen", sondern entspricht der richtigen Grundanffafsung, wonachdie sozialen Klassen nach ökonomischen Gesichtspunkten unterschiedenwerden. „Bauer" ist aber kein ökonomischer, sondern ein technischerBegriff: ein Mann, welcher Ackerbau und Viehzucht treibt. Alssolcher ist er aber ökonomisch farblos, kann also den verschiedenstenWirtschaftssystemen angehören — nnd hat es getan. Ebenso wieein „Schuster" in der Feudalwirtschaft, im Handwerk, in der kapi-talistischen Wirtschaft, kurz überall zu finden ist, wo Stiefelngemacht werden, so ein „Bauer" iu allen möglichen ökonomischenMilieus. Die Erfahrung lehrt, daß es kaum irgendwo größereUnterschiede wirtschaftlichen Wesens gibt, als zwischen Bauer undBauer. Das Richtige ist also, ihn je nach seiner ökonomischenFärbung dem einen oder andern Wirtschaftssysteme zuzurechnen.
Zum andern: was noch heute dem Verständnis der sozialenKlasse häufig hindernd im Wege steht, ist ihre Verwechslung mit derpolitischen Partei. Ganz unklar wird die Sache, wenn man vonsozialen Parteien redet. Partei und Klasse sind vielmehr ganzund gar nicht dasselbe. Die Politische Partei verdankt ihre Ent-stehung einer etwelchen zufälligen Verumstandung. Sie wird zu-