loseil und vereinzelten (!) Teile der Bevölkerung, die sich deshalbmich der befestigten Ordnung sicher entziehen, heißen wir dasProletariat". Will man auch von dieser Darstellung ein gut Teilder Seichtheit ihres Verfassers zu gute schreiben, so bleibt dochsicher noch ein Rest, der sich ans der damaligen Gesellschaftsstrukturerklärt.
Im Mittelstande aber vereinigte sich in der Auffassung jenerfrüheren Zeiten alles, was nicht zum Adel und nicht zum niederenVolk gehörte. Er trug in unserem Sinne kein ausgesprochenesKlassengepräge, sondern .erschien bald mehr als Gruppe aller mittel-mäßig begüterten Personen, bald mehr als die der Gebildeten.So sahen die Goethe, Niebuhr, Humboldt, Hegel ihre Zeit an,wenn beispielsweise Goethe (im „Bürgergeneral ") von dem „hübscheu,wohlhabenden Mittelstand" als von der Schlippermilch spricht, dieübrig bleibt, nachdem der saure Rahm (die Reicheil) abgeschöpftist; oder (in seinen Bemerkungen über „Deutsche Literatur ") vondeil „Bemühungen" (um die deutsche Sprache), „welche nunmehrder ganzen Nation, besonders aber einem gewissen Mittelständezu gute gehen, wie ich ihn im besten Sinne des Worts nennenmöchte". „Hierzu gehören", sührt er dann fort, „die Bewohner kleinerStädte, deren Deutschland so viele Wohlgelegeile, wohlbestellte zählt.Alle Beamten mit Unterbeamten daselbst, Handelsleute, Fabrikanten,vorzüglich Frauen und Töchter solcher Familien, auch Landgeist-liche, sofern sie Erzieher sind an Personeil, die sich zwar in be-schränkten, aber doch wohlhäbigen, auch ein sittliches Behagenfördernden Verhältnissen befinden." Das ist derselbe Mittelstand,„in welchen (nach dem Ausdruck Hegels) die gebildete Intelligenzund das rechtliche Bewußtsein des Volkes fällt", der nur entstehenkann „durch die Berechtigung besonderer Kreise, die relativ un-abhängig sind, und durch eine Beamtenwelt, deren Willkür sich ansolchen Berechtigten bricht."
Unentwickelt, wie die modernen Klassen selber waren, trat auchihr Gegensatz noch nicht merkbar hervor und wurde von den Unter-schieden der Bildung, des Besitzes, des Berufes, des politischenoder religiösen Glaubensbekenntnisses überwuchert. Gewiß hatteLorenz von Stein recht, wenn er im Jahre 1842 schrieb, daß man