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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
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Die sozialen Klassen.

das deutsche Reichsgebiet hatte im gleichen Jahre 35 MillionenEinwohner: die Preußischen Ziffern würden also rund drei Siebentelder deutschen ausmachen, Bon den für das Jahr 1895 berech-neten 12^ Millioneil Handwerkerköpsen entfallen also auf dasPreußeu alteu Bestandes rund 5.4 Millionen. Berücksichtigt man,daß die bäuerliche Haudwerkerklasse iu den nenpreußischen Pro-vinzen und den außerpreußischeu Landesteilen etwas stärker istals in Altprenßen, so würde sich ergeben, daß in der Tat derUmsang der Haudwerkerklasse Teutschlands in den Iahreu 1849und 1895 annähernd der gleiche gewesen sei.

Damit ist denn nun aber auch schon ausgesprochen, daß dieseBevvlkerungsklasse innerhalb der nenen Gesellschaft nicht mehr diegleiche Bedeutung hat wie früher. Sind sich die absoluten Zahlengleich geblieben, so bildet die heutige Ziffer natürlich einen er-heblich geringeren Prozentsatz der Bevölkerung als die frühere.Nach deu hier augestellten Berechnungen hätten um die Mitte desJahrhunderts noch beinahe zwei Fünftel zur Handiverkerklasse ge-hört, 1895 nur noch ein knappes Viertel. Nun ist aber die ganzeArt der Begleichung (auch abgesehen von ihrem sehr zweifelhaftenstatistischen Wert), so wie sie hier vorgenommen wurde, falsch. Esmuß nämlich iu Rücksicht gezogen werden, daß ehedem sso langeder Kapitalismus noch keine herrschende Stellung im deutschenWirtschaftsleben einnahm) zur Handwerkerklasse noch zahlreicheElemente gehörten, die wir heute mit Recht ihr nicht mehr zu-rechnen. Für die frühere Zeit muß man auch den Alleinmeisterzum Handwerk rechnen, denn er hatte ja noch keine andere Klassewie heute, deren Mitläufer er werden konnte. Dasselbe gilt vomGesellen: dieser gehört, so lange der ganze Bau der Gesellschaftein handwerksmäßiger ist, zur Handwerkerklasse: er ist nichtsanderes als angehender Meister. Erst wenn das Proletariat zueiuem ausschlaggebenden Faktor im öffentlichen Leben gewordenist, tritt er als Hospitant bei diesem ein.

Ist durch die Absplitterung der Gesellenschaft und der prole-tarischen Alleinmeister die Stellung des gelverblichen Handwerksziffermäßig derart geschwächt worden, daß anch der Zuwachs ankommerziellen und andern Handwerkern den Zchaden nicht zu