„Mittelstandspvlitik,"
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den Vordergrund des politischen Lebens zu stellen, ist es wohlvornehmlich zu danken, wenn in der öffentlichen Meinung demHandwerk als sozialer Klasse neuerdings eine größere Bedeutungl'eigemessen ist als ihm zukommt. Meine Darlegungen werden,wie ich hoffe, dazu beitragen, die Meinungen zu klären und wiederrichtigere Größeuvvrstellungen zu verbreiten. Sie ergeben, daßunzweifelhaft heute das Handwerk dank vor allem dem Niedergangedes gewerblichen und kommerziellen Handwerks als soziale Klassein die zweite Linie gerückt ist, daß es aber gewiß verkehrtwäre, seine noch immer vorhandene Bedeutung zu verkennen odergar seine Existenz zu leugnen. Daß ihm uoch heute rund einViertel der Bevölkernng zugehört, ist eine keineswegs unwahrschein-Annahme, wie unsere Berechnung erwiesen hat. Ein Viertel aberist viel. Zumal wenn man sich so einflußreicher Gönner erfreutwie das Handwerkertum.
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Ebensowenig wie dieses ist nuu aber die feudale Klasse,die Gentilhommerie durch die Entwickelung des verflossenenJahrhunderts zu Staub gerieben. Ganz im Gegenteil, wird manauch in Bezug auf sie sagen dürfen, steht sie in einer Mächtigkeitam Ausgange des Jahrhunderts da, die uns angesichts derökonomischen Revolution in Erstaunen setzen muß.
Wer sind denn nun eigentlich diese Feudalagrarier, dieseGentilhommes, diese Junker, wie wir der Kürze halber sagenwollten? Es sind in der Regel wohl Grundadlige, aber dieEigenschaft des Adels möchte ich nicht einmal als ein bestimmendesMerkmal ihrer Klasseneigenart betrachtet wissen. In dein Sinne,wie ich hier die (A^sss keoäals verstehe, können anch Leute zuihr gehören, die nicht die drei inhaltsschweren Buchstaben vorihrem Namen stehen haben. Um was für Elemente es sich viel-mehr handelt, haben wir schon andeutungsweise erfahren, als wiruns den antikapitalistischen Charakter der Landwirtschaft klar zumachen suchten.
Die Junker als soziale Klasse sind nämlich nichts anderesals die Vertreter einer vor- oder antikapitalistischen Großguts-