Die Wesenheit der Gentilhommerie.
541
so ausdrücken: die Bourgeoiswirtschast ist vor allen Dingen Ein-nahmewirtschaft, nach der Höhe der Einnahmen bemessen sich dieAusgaben; diejenige des Gentilhomme dagegen Ausgabewirtschaft,nach der Höhe der Ausgaben haben sich die Einnahmen zu richtenund richten sie sich. Entsteht ein Ausfall, so haben von jehernicht das krämerhafte Rechnen oder Gutehaushalten für seineDeckung gesorgt, sondern die Macht, die man im Staate besaß.Bor fünfhundert Jahren nahm man den Pfeffersäcken ohne vielBedenken ihre Ladung aus dem Stegreif ab. Heute tuen einBranntweinftenergesetz, ein Zolltarif, wenn's nötig ist, dieselbenDienste.
Ist der Erwerb dem Edelmann verhaßt, so nicht minder dieForm, in der er sich abzuspielen Pflegt: das Geschäft. Alles Rechen-Hafte, alles Nationalistische, alles Geldmäßige stößt ihn ab.
Deshalb mag er auch die Beziehungen zu „seinen"Leuten, d. h. dein Volke, das im Dienste des Vogts seineGüter bestellt, uicht gern als rein geschäftliche betrachtet sehen.Fremd dem inneren Wesen nach sind der feudalen Wirtschaft derLohnvertrag über bestimmte Leistungen, der Lohnvertrag mitknrzer Kündigungsfrist, der Lohnvertrag mit reiner oder auch mirvorwiegender Geldlöhnung. Weil die Wirtschaft noch keine aus-gesprochene Saisonwirtschaft ist, wie die moderne Landwirtschaft,weil sich die Technik in den alten gewohnten Bahnen bewegt,darum braucht man ständige, womöglich angesessene, am liebstenschollenpflichtige Arbeiter, die das ganze Jahr über zur Verfügungftehen, hat also an einem gebundenen Arbeitsverhälthis — gauzim Gegensatze zum kapitalistischen Unternehmer auch in der Land-wirtschaft — ein Interesse. Weil aber die Geldeinnahmen geringsind, so ist es selbstverständlich, daß man den Arbeiter in Gebrauchs-gegenständen entlohnt. Am liebsten beteiligt man ihn an dem Er-trage durch eine Anteillöhnung, wie sie die Insten alten Schlageshatten, gliedert ihn also in die eigene Wirtschaft ein, mit der er ver-wachsen soll, er und seine Familie, Geschlecht auf Geschlecht. Danntritt der Arbeiter zum GutSherru wirklich in eine Art Vasallen-verhältnis, in ein Verhältnis gegenseitiger Treue, es entsteht ausinnerer Notwendigkeit eine Patriarchalische Arbcitsverfassuug, die