Dic liberale Utopie.
Unüberlrcfflichkcit zu schildern: eine Aufgabe, der sichmancher Schriftsteller aus der ersten Hälfte des 19. Jahr-hunderts unterzogen hat. Waren die herrschenden Zuständeaber gut, und sie mußten es ja sein, weil sie der natürlichenOrdnung der Tinge entsprachen, so war eine Änderungebenso uuuötig, wie der Versuch, sie herbeizuführen, frucht-los gewesen wäre. Es war frevelhaft, auch nur daran zudenken, dem lieben Gott ins Handwerk zu pfuscheu undKorrekturen an seinem höchsteigenen Werke anzubringen.
Tas siud die Grundzüge der reinen Mauchcsterlehrc,solange sie noch ihrer philosophischen Herkunft sich bewußtbleibt. Es unterliegt keinem Zweifel, daß wir es hiermit einer groß konzipierten Auffassung des gesellschaftlichenLebens zu tuu haben; der Krämergeist der Epigonen hatdann diese Goldbarren in stark legierte Scheidemünze um-geprägt und hat die ursprünglich metnphpsischen Gedankender Vorstellung des gewöhnlichen Bankiers nahe zn bringenversucht. Noch heute begegnen wir gelegentlich den Aus-länfcrn dieser vnlgär-libcralcn Anfsassuug, die sich heutzu-tage mit der trivialen Feststellung begnügt, daß wohl diebürgerliche Gesellschaft aus sich heraus dic Hilfsmittel füretwa vorhandene Schäden des gesellschaftlichen Körpers ent-wickeln werde, ohne anzugeben warum.
Tie liberale Betrachtungsweise der sozialen Problemedarf heute als überwunden angesehen werden. Sie stehtuud fällt mit dem Glauben an die Eristenz einer natür-lichen, und weil natürlichen darum harmonischen Ordnungder Gcsellschaftswelt. Sie ist in der Praris als falsch er-wiesen worden durch dic einfache Tatsache höchst miserablerZustände, an deren Vorhandensein mau auf die Tnucr uichtmehr zweifeln konnte: sie ist «niederlegt worden dnrch dieandere Tatsache, daß bewußte Eingriffe in das freie Spielder wirtschaftlichen Kräfte offensichtlich Besserungen der