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Die gewerbliche Arbeiterfrage / Werner Sombart
Entstehung
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Die gewerkschaftliche Arbeiterbewegung.

Zug ihres Charakters erblicken. Wenn wir die Gewcrkllereineselbst als Berufsvereine bezeichneten, so ist doch gleich hin-zuzufügen, das; schon dieses Merkmal, daß ihre Mitgliedergleichen Berufen angehören, wenigstens im allen handwerks-mäßigen Sinne nicht mehr vollständig zutrifft. Ter altePerus des Handwerkers wurde abgegrenzt durch eine eigen-tümliche gleichgerichtete Handfertigkeit, durch ein gleichesTonnen, oft ein gleiches Wissen von Berufsgeheimnisse»,gleicheil Lehrgang, gleiche Schicksale. Er begründete eineinnere Znsammengehörigkeit uud selbstverständliche Av-schließnng gegen die Vertreter anderer Berufe: die Berufs-chre ist der bezeichnende Ausdruck für diese Bcrufsgenosseu-schasten handwerksmäßigen Schaffens, die sich bei der lang-samen Entwicklung der empirischen Technik in jahrhunderte-langem Werdegange herausgebildet hatten.

?as wissenschaftliche Verfahren im Dienste der kapita-listischen Unternehmung zertrümmert diese alten Schichtungs-verhältnisse. Täglich läßt sie jahrhundertealte Handwerkezugrunde geheu, um täglich ueue Verfahruugsweisen erstehenzu lassen. Und was seit jeher zusammcugehörte, wird gc-trennt, was getrennt war, wird zu einheitlichen Betriebenvereinigt. So verwischt sich die alte handwerksmäßige Be-rnfhastigkeit, verwischen sich die starren Begriffe des gleichenBernss, der Bcrufsgenossenschaft und Berufsehrc, und esschließen sich Arbeiter früher ganz verschiedener Bcrufs-zweige zu Verbände» zusammen, die dann selbstverständlichnach außeu hin nicht die Abgeschlossenheit bewahren, wiesie den früheren Bernfsgenosscn eigen gewesen war. Ichdenke beispielsweise an die in neuerer Zeit häufiger sichbildenden sog.Judustricvcrbäude," wie der Holzarbeiter,der Metallarbeiter, der baugewerblichen Arbeiter n. a., indenen die verschiedensten früher getrennten Berufe nun zueinheitlicher Organisation zusammengefaßt sind.