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Die gewerbliche Arbeiterfrage / Werner Sombart
Entstehung
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40 Die gewerkschaftliche Arbeiterbewegung.

sozialen Klassen eines und desselben Berufs, währendKlassengenosscn verschiedener Berufe sich längst nicht mehrausschließend gegenüber stehen. An die Stelle der senk-rechten Schichtung ist die wagercchte getreten. Und wennwir danach einen modernen Gewerkverein richtig kenn-zeichnen wollen, so müssen wir in erster Linie betonen, das;er ein Verband von Lohnarbeitern, d. h. Klassengenossen ist,und dürfen erst zur weiteren Bestimmung hinzufügen: diesich nach Berufen oder Berufszwcigen miteinander ver-einigen.

Also Verbände von Lohnarbeitern sind die Gewerk-schaften der Gegenwart. Tem Lohnarbeiter, diesem ganzmodernen Gebilde, wollen sie die Vorteile des Zusammen-schlusses, der Gemeinschaft bieten. Ihn wollen sie gleich-sam dnrchs Leben begleiten, ihm Tröster und Freund, Helferund Berater in allen ernsten Lebenslagen sein. Sie wollendort ihr Wirken entfalten, wo des einzelnen Mut und Kraftversagen. Tes einzelnen, den wir also kennen müssen,um die Eigenart der Gewerkvereine zu begreifen.

Tes Lohnarbeiters Interessen also wollen die Gewerk-vereine wahren, und zwar was notwendig noch hinzu-gefügt werden muß im Rahmen des kapitalistischen Wirtschaftssystems.

Tcnn diese Einschränkung ist es, durch die sich die ge-werkschaftliche Arbeiterbewegung scharf von der sozialistischen Arbeiterbewegung, der im engeren Sinne sozialen Be-wegung unsrer Zeit, scheidet. Derjenigen Bewegung also,deren Endziel zwar anch in erster Linie Wahrung derInteressen des Proletariats ist, aber dadurch, daß an dieStelle der kapitalistischen die sozialistische Wirtschafts-organisation treten soll. Es ist grobe Unkenntnis odergrobe Böswilligkeit bei demjenigen anzunehmen, derdiesen Unterschied der beiden Arbeiterbewegungen nicht als