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Die gewerbliche Arbeiterfrage / Werner Sombart
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Die gewerkschaftliche Arbeiterbewegung.

i^eiverkvereinsbewegnng die wichtigste, zum Teil sogar dieeinzige gewesen. Sie ist vielfach daS Bindeglied, das aller-hand nicht eigentlich gewerkschaftliche Verbände mit denmodernen Gcwerkvereinen verknüpft.

Aber so bedeutsam das Kastenwesen auch historisch fürdie Gewerkvereiue seilt mag, so sehr es noch heute einehervorragende Rolle in sehr wichtigen und großen Arbcitcr-vervändrn spieln deren eigentliches Wesen macht es nichtaus. Kranken-, Unfall-, Sterbe-nnd ähnliche Kassen könnenbestehen und bestehen auch ebensogut für Nichlarbeiter, wiefür Arbeiter. Tie I>isncIIv 8oe'wtic>5 in England , die8ooist5 cli imrlno soeLorso in Italien sind noch heute demkleinen Beamten oder Banern oder Handwerker ebensogcössnet wie dem modernen Lohnarbeiter. Und wenn diesein ihnen einen großen Prozentsatz aufmachen, so beweistdas eben nur, daß die Lohnarbeiterschnft sich in hervor-ragendem Maße in einer Vermögenslage befindet, die dieBenutzung der Kassen wünschenswert erscheinen läßt: aberes hat nichts zu tun mit der eigenartig sozialen Stellungdes Proletariats. Aber auch ihre frühere Funktion, dieArbeitermassen dunch die größere Plausibilität ihrer Zweckezunächst einmal überhaupt anzulocken und zu Verbindungenzu veranlassen, gleichsam den Stab zu bilde», au dem sichdie eigentlich gewerkschaftliche Verbandstätigkeit emporrankte,auch diese Funktion hören die Unterstützungskassen heutemehr und mehr zumal auf dem Fcstlandc auszuüben auf.Einmal deshalb weil die gewerkschaftlichen Ziele selber anTcutlichkeit und ciuleuchtcudcr Wichtigkeit gewinnen, so-dann aber vor allem auch deshalb, weil die Aufgaben, diefrüher ausschließlich die freien Vereinigungen zu lösen unter-nahmen, dem Arbeiter in Krankheits- und anderen Not-fällen Unterhalt zu verschaffen, weil diese Aufgaben inwachsendem Umfange in den verschiedensten Landern nach