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Die gewerbliche Arbeiterfrage / Werner Sombart
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Die gewerkschaftliche Arbeiterbewegung.

erfolgt auf rein automatischem Wege, wie ein Uhrwerk oderein Umschaltemechanismus bei bestimmter Stellung einenstets gleichen nnd unveränderlichen Effekt erzielt, daß viel-mehr mich bei äußerlich ganz gleicher Marktlage etwaeinem Sichtatsächlichdecken von Angebot und Nachfragesehr verschiedene Wirkungen für die Arbeiter sich ergebenkönnen. Analogien ans der Sphäre des Warenmarktesmaßten diese Einsicht beschleunigen helfen. Man brauchtemir etwa des bei den Möbelmagazincn mit seinem Karrenvoll Möbel henmizichcnden Tischlermeisters, des trolonr,sich zu erinnern, der Woche fiir Woche einen gleichen AdMhat, mich gar keine Überschnßivare liefert, sondern stets derNachfrage angepaßt bleibt, der aber trotzdem zu immerungünstigeren Bedingungen seine Ware an Hen Mannbringt, wnrnm? Weil er der Schwächere in dem Kampfeist, der über die Kaufbedingungen entscheidet. Man lernteanch die Festsetzung der Arbeitsbedingungen nicht als einenautomatischen Borgang unter leblosen Körpern, sondern alseinen Kampf zwischen lebendigen, entgegengesetzt interessiertenMenschen begreifen. Womit sich nun für die Bernfsvereineder Arbeiter ganz neue Perspektiven eröffneten. Teun siehatten nun ihre Aufgabe nicht mehr nur darin zu erblicken,den Arbcitsmarkt zu regulieren, sondern den Arbeiter imKampfe mit dem Unternehmer zu stärken. Hatten sie bis-her die Marktlage zugunsten des Arbeiters gestalten wollen,so mußten sie jetzt seine Mnchtlagc zu verbessern suchen.

Zu diesem Behufe mußte mau zunächst die spezifischenSchwächen des Arbeiters beim Abschluß des Arbeitsver-trages erkannt haben. Und das gelang bald. Heutzutageweiß jedes Kiud, daß der Arbeiter iu jenem Kampfe umdie besten Arbeitsbedingungen deshalb der schwächere Teilist, weil er zur rascherer Verwertung seiner Arbeitskraftgedrängt wird als der Kapitalist zur Verwertung seines