48 Die gewerkschaftliche Arbeiterbewegung.
Stiftung gemeinsamer Kassen solidarisch für die Mittel auf-kommen, die etwa erforderlich werden, um den freiwilligarbeitslosen Arbeiter zu unterhalten, machen sie ein Ab-warten möglich. Wo das Abwarten nun planmäßig wirk-lich erfolgt, sprechen wir von einer Arbeitseinstellung, voueinem Streik. Man hat die Gewerkvercine Streikorgani-sntionen genannt. Mit demselben Rechte, mit dem man diemodernen Heere Organisationen des Krieges nennen kann.Aber die Kriege sind ebenso wenig Zweck unserer Rüstungen,wie die Streiks Zweck der Gewerkschaft«»; beides sind viel-mehr nur Mittel zum Zweck der Machtcntfaltung. Ohneparadox zu seiu, kann man beide Organisationen ebensogutOrganisationen des Friedens nennen! von der Erwägungausgehend, daß zwischen zwei gegen einander strebendenMächten nur dann „Friede" möglich ist, d. h. der Anreizzum Kampfe unterdrückt wird, weuu beide zum äußerstenKrade ihrer Mnchtentfaltung und zu vollkommenster Schlag-fertigkeit gelangt sind. Gewiß sind die GewerkvcreineMachtorganisationcn und gewiß ist ihr wirksamstes Kampf-mittel die Arbeitseinstelluug. Dieses Mittel vertauschen sieaber bereitwilligst mit einem andern, sobald ihnen ein ge-eigneter Ersatz geboten wird. Und als solcher tritt ja mehrund mehr im Laufe der Entwicklung eine kollektive Vcrtrag-schließung hervor, wie man die Vorausrcgeluug der Arbeits-bedingungen für ein ganzes Gewerbe auf Grund von Ver-einbarungen der organisierten Arbeiterschaft mit der orga-nisierten Unternehmerschaft wohl genannt hat. Selbst-verständlich' wenn dasselbe Ziel, die günstigen Arbeits-bedingungen, erreicht werden kann, ohne daß der offeneKampf ausbricht, mit seinen verheerenden für beide Teile,wenn das Schreckgespenst des Streiks im Hintergrundegenügt, um die Machtlage des Arbeiters zur höchst-erreichbareu zu macheu, so müßten Frivolität oder