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Die gewerkschaftliche Arbeiterbewegung.
Begrenztheit ihres Könnens, ihres praktischen Vermögens.Ta ist denn zunächst festzustellen, daß die'gewerkschaftlichenOrganisationen selbst iu England , wo sie seit einem Jahr-hundert bestehen und seit fast einem Menschenalter sichvollständig ungehindert entfalten können, doch immer erstbei sehr weitherziger Berechnung ein knappes Fünftel dergelverblichen Arbeiterschaft umfassen. In den übrigenLändern ist der Anteil der organisierten Arbeiter an derGesamtarbeiterschaft noch geringer. In Teutschland erreichter knapp ein Achtel. Es handelt sich einstweilen also immererst nm eine Arbeiterelite, die an den Segnungen der Ge-werkschaftsorganisation teilnimmt. Wenn man nun auchsich der Hoffnung hingeben darf, daß die gewerkschaftlicheOrganisation in Zukunft immer weitere Kreise der Arbeiter-schaft umfassen wird, so darf man doch nicht in Zweifeldarüber sein, daß es langer Zeiträume bedürfe» wird, umbeträchtlich größere Massen von Arbeitern zn organisieren,daß vielleicht aber ganz große Kategorien von Arbeiterndauernd organisationsnnfähig sich erweisen werden. Tahingehören die Kinder, soweit sie noch erwerbstätig sind, dahingehören zum großen Teil die weiblichen Arbeiter, dahingehören Wohl sast durchgängig die Hansindnstriellen; dahingehört endlich ein sehr beträchtlicher Prozentsatz der unterstenSchichten der Arbeiterschaft, der sogenannten ungelerntenArbeiter. Wollte man also selbst annehmen, daß die Ge-werkschaften für die in ihnen organisierten Arbeiter alle Übel-stände beseitigten, die aus dem modernen Lohnarbeiterver-hältnis Heranswachsen, so würde sich doch mit Notwendigkeildie Konseqnenz ergeben, daß zngnnstcn der einstweilen nochgroßenMehrzahlderArlwiterschafta>idcreJiistanzeil angerufenwerden müssen. Denn man kann unmöglich die vier Fünfteloder sieben Achtel unorganisierter Arbeiter auf den Zeitpunktvertrösten, wo die gesamte Arbeiterschaft organisiert sein wird.