Druckschrift 
Die gewerbliche Arbeiterfrage / Werner Sombart
Entstehung
Seite
79
Einzelbild herunterladen
 

Wesen und Wirkung des Arbeitcrschntzes. 79

zeit abzuwehren, oder endlich, der Arbeiter kann, und daswird in zahlreichen Fällen zutreffe», in der verkürzten Arbeits-zeit durch Steigerung seiner Arbeitsintensität den gleichenLohn erzielen, wie ehedem in der längeren Arbeitszeit.

4. Ter wichtigste Einwand gegen den Arbcitcrschutz istendlich der, daß er die Industrie eines Landes kon-kurrenzunfähig mache. Hiergegen ist zunächst geltend zumachen, daß, wenn diese Behauptung von den durch denArbciterschutz betroffenen Unternehmern ausgeht, sie mit be-rechtigtem Mißtrauen aufgenommen zu werden verdient. Esgeht den Unternehmern wie dem Hirten in der Fabel, derimmerfort ohne Veranlassung um Hilfe schrie, weil der Wolfkäme, bis schließlich niemand mehr auf sein Rufen hörteund er dann iu der Tat, als der Wolf wirklich kam, gefressenwnrde. So haben die interessierten Unternehmer nochjedesmal ein lautes Wchgcschrei erhoben, selbst wenn essich um die kleinste und geringfügigste Beschränkung ihrerAusbcutuugSfreiheil handelte. Als man die ganz kleinenKinder ans den englischen Baumwollspinnereieu heraus-nehmen wollte, hieß es, daß die Spinnerei zugrunde gehenmüsse, wenn sie nicht der kleinen Arbeitskräfte sich bedienenkönne, die mit Leichtigkeit unter dem Selfaktor herumkriechennnd hier die Reinigung vornehmen oder die Fäden anknüpfenkönnen. Noch vor ein par Jahren erhoben dasselbe Ge-schrei die italienischen Seidenspinner, als man auch nur dieKinderarbeit unter neun Jahren verbieten wollte.

Immerhin ist der Eiuwand selber von so schwerwiegenderBedeutung, daß er einer leidenschaftslosen Prüfung auchaußerhalb der interessierten Kreise wohl wert ist. Ein Ruinder Industrie würde eintreten, wenn infolge des Arbeitcr-schutzes die Produktion technisch uumöglich gemacht würde.Tas mag tatsächlich in einzelnen Fällen, beispielsweise desVerbots der Nachtarbeit, der Sonntagsarbeil usw. zutreffen.