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Das Problem der Arbeitslosenfürsorge.
glücklich zu sein, und ich würde in der Verwirklichung diesesPlanes die beste Lösung der Frage erblicken. Insbesonderedeshalb, weil damit den Gewerkschaften nicht nur kein Ab-bruch geschähe, sie vielmehr an Anziehungskraft gewinnenwürden. Und da ich die Gewerkschaftsbewegung für denwichtigsten Teil der ganzen sozialen Reform halte, so be-trachte ich auch jede Maßnahme der sozialen Politik vondem Gesichtspunkte aus, ob sie fördernd oder hemmend aufdie Gewerkschaftsbewegung einwirkt. Es scheint mir derEinwand, der aus Gewerkschaftskreisen, allerdings nur ausden Kreisen der Hirsch-Tunckcrschen, gegen eine staatlicheZwangsversichernng auch gegen Arbeitslosigkeit erhobenworden ist, nicht ganz unberechtigt: es könne durch einesolche Einrichtung den Gewerkschaften, die an Anziehungs-kraft verlören, Abbruch geschehe». Tiefer Einwand wäregegenstandslos, sobald sich der Staat nur mit einer Sub-ventionierung der Gewerkschaften begnügte, die außerdemzweifellos die meiste Sachkenntnis und auch das meisteInteresse an einer glücklichen Lösung der Arbeitslosenfragehaben. Leider aber wird man zu der Erwägung gedrängt,daß ein solcher Borschlag in Ländern wie Tcnischland, indenen man die gewerkschaftliche Arbeiterbewegung immernoch als eine modernisierte Karbonari- oder sonstige Vcr-schwörerorganisation ansieht, in absehbarer Zeit ganz uudgar keine Aussicht auf Verwirklichung hat. Unter diesenUmständen wird man doch in Erwägung -ziehen müssen, obsich die Einrichtung einer Arbeitslosenversicherung nicht ineiner ähnlichen Forin, wie sie die andern großen Zweigeder socialen Versicherung tragen, bewerkstelligen läßt. TieMöglichkeiten sind hier etwa folgende!
Man verpflichtet die Gemeinden über 10 000 Ein-wohner durch Ortsstatut, eine Arbeitslosenversicherung ein-zuführen. Vorschlag Souuemann.