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Die gewerbliche Arbeiterfrage / Werner Sombart
Entstehung
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137
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Die großstädtische Wohnungsfrage. 137

Schichten der Bevölkerung eine nnr einigermaßen befriedigendeTecknng ihres Wohnungsbedarfs unmöglich gemacht ist.

Tiefes chronische Wohnnngselend ortet zuweilen in eineaknle Wohnungsnot aus, insofern es vorkommt, das; nanienl-lich kinderreiche Familien des Proletariats überhaupt keineWohnung finden.

2. Es ist richtig, daß in zahlreichen Fälleu die angen-blicklichen Besitzer von Mietshäusern, wenn sie eine landes-übliche Verzinsung des Ankaufspreises, Tecknng aller Unkostenund angemessenen Entgelt für ihre eigene Arbeit heranS-wirlschaften wollen, die Mieten nicht herabsetzen können.Ter birund der überhöhen Mietszinse liegt somit nichtsowohl in einer wucherischen Ausbeutung von seiten derHausbesitzer als vielmehr in den übermäßig hohenPreisen der Häuser selbst.

3. Ter überhohe Preis der Mietshäuser ist zum Teilin den besonderen Ansprüchen an die großstädtische Ban-weise, in den höheren in der Großstadt üblichen Arbeits-löhnen nnd in der stärkeren öffentlichen Belastung desstädtischen Grundbesitzes begründet zum überwiegendenTeile aber läßt sich die Verteuerung der städtischen Hänser,insbesondere der Arbeiter-Mietskasernen, ans anders ge-arteteUrsachen znrücksühren, welche daS eigentlicheWohnnngs-problem darstellen. Tiesc Ursachen sind:

Die Gewinne, welche die Eigentümer des für Bau-zwecke geeigneten Grund nnd Boden beziehen.Tiefe Gewinne, die sich aus dem Monopolcharaklerdes städtischen Grundeigentums ergeben, werden oftdurch eine künstliche Bodenspekulation noch ver-größert und verteilen sich alsdann hänsig ans einegrößere Anzahl von Personen, durch deren Händedas Bauland geht, ehe es seiner Bestimmnng zu-geführt wird.