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Wirthschaft und Mode : ein Beitrag zur Theorie der modernen Bedarfsgestaltung / Werner Sombart
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Wirtliscliaft und Mode.

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zeichnet hat. Darüber hinaus ist man bis heute, soviel ich sehe, nichtgekommen. Man zankt sich höchstens gelegentlich einmal darüberherum, ob bezw. bis zu welchem Grade die .Mode unter ethischemGesichtspunkte verdanniienswerth sei und damit basta.

Demgegenüber sind etwa Folgendes die hauptsächlichsten Momente,auf welche eine ökonomische Theorie der Mod e Obacht zugeben hätte. Sie würde zunächst zu fragen haben, worin die Bedeutungder Mode für das Wirthschaftsleben zu suchen ist, und würde sie alsbaldfinden in dem Einfluss, den sie auf die Bedarfsgestaltung ausübt. Ueberden Begriff der Mode wird man sich nicht lange zu streiten brauchen.Man kann die Definition Yi sch ers: .Mode ist ein Allgemeinbegrifffür einen Complex zeitweise gültiger Culturformen ohne grosse Be-denken annehmen, wenn man den einzelnen Bestandtheilen der Begriffs-bestimmung nur den richtigen Sinn unterlegt. Für das Wirthschafts-leben sind es zwei nothwendige Begleiterscheinungen jeder Mode, dievornehmlich in Betracht zu ziehen sind:

1. die durch sie erzeugte Wechselhaftigkeit, aber ebenso, washäufig übersehen wird,

2. die von ihr bewirkte Vereinheitlichung der Bedarfsgestaltung.Denken wir uns eine Bedarfsgestaltung, die von der Mode unabhängigist, so würde die Nutzungsdauer für den einzelnen Gebrauchsgegenstandvermuthlich länger, die Mannigfaltigkeit der einzelnen Gebrauchsgüterwahrscheinlich erheblich grösser sein. Jede Mode zwingt immer einegrosse Anzahl von Personen, ihren Bedarf zu unificiren, ebenso wie siesie nötliigt, ihn früher zu ändern, als es der einzelne Consument, wäreer unabhängig, für erforderlich halten würde. Beides: Vereinheitlichungund Wechsel sind relative Begriffe. Wann insbesondere letzterer bei-spielsweise die .Tracht zur .Mode werden lässt, ist schwer durcheine Zeitangabe zu bestimmen. Man wird sagen dürfen, dass jede Ge-schmacksänderung, die zu einer Umgestaltung des Bedarfs während derLebensdauer einer Generation führt, .Mode sei. Aber auf derartigebegriffliche Unterscheidungen kommt es viel weniger an als auf die ver-gleichende Betrachtung der Art und Weise, wie die verschiedenen Zeitenihre Bedarfsgestaltung Veränderungen unterworfen haben. Dies führtuns dazu, zu fragen: ob denn wirklich erst die Gegenwart es sei, diedieMode in die Geschichte eingeführt habe, und mit welchem liechtewir hier, wo es sich darum handelt, die Herausbildung des modernenWirthscliaftslebens zu schildern, die .Mode als einen Bestandtheil derNeuerungen bezeichnet haben.

Unzweifelhaft ist die .Mode keine dem 19. Jahrhundert eigeneErscheinung; wir werden ihre Entstehung, wenn sich von einersolchen überhaupt reden lässt, sicher in eine viel frühere Zeit verlegenmüssen. Zwar möchte ich nicht so weit wie Julius Lessing gehen,