über den anderen hinaus nach Höherem zn trachten beginnt,um sich, wie Kant es einmal ausdrückt, einen Rang unterseinen Mitgenossen zu verschaffen, die er nicht wohl leiden,von denen er aber auch nicht lassen kann. So sehen wireinerseits das Streben der Gemeinschaften nach Reichtum,Macht, Geltung, uud anderseits dasselbe Streben nach Macht,Reichtum, Ansehen bei den einzelnen- Das, scheint mir, sinddie beiden Gegensätze, die thatsächlich alle Geschichte erfüllen.Tenn die Geschichte beginnt erst, wo diese Gegensätze sichentfalten. Es soll nur ein Vergleich sein und die derbe Formdarf Sie nicht schrecken, wenn ich sage: Es ist die Mensch-heitsgeschichte entweder ein Kampf um den Futteran-teil oder ein Kampf um den Futterplatz auf unsererErde. Diese beiden großen Gegensätze sind es, die jeweiliggegeneinander auftreten, die jeweilig die Menschheit be-herrschen. Wir stehen heute am Schlüsse einer historischenPeriode großen nationalen Gefühls, und mitten drin in einerPeriode großer sozialer Gegensätze, und die weltverschiedenenAnschauungen, die sich heutzutage in einzelnen Menschen-gruppen bilden, gehen, scheint mir, alle auf die Alternative„National oder Sozial" zurück.
Ehe ich nun mit meinem Thema: „Sozialismus undsoziale Bewegung im 19. Jahrhundert" dem einen dieser Gegen-sätze, dem sozialen, mich im weitern Verlaufe zuwende, möchteich zuerst die Frage aufwerfen: „Was ist denn einesoziale Bewegung?" Ich antworte: „Unter einersozialen Bewegung verstehen wir denJnbegriffaller derjenigen Bestrebungen einer sozialenKlasse, die darauf gerichtet sind, eine bestehendesoziale Ordnung in einer den Interessen dieserKlasse entsprechenden Weise prinzipiell umzu-gestalten. Die Elemente, die sich in jeder sozialen Be-wegung wieder finden müssen, sind also folgende: Erstenseine bestehende Ordnung, in der eine gegebene Gesell-schaft lebt, und zwar eine soziale Ordnung, die sich in ihren