— 110 —
Augenblick, wo diese ökonomische Entwickelung nicht zurProletarisierung der Massen und zur „Vergesellschaftung desProduktionsprozesses" also technisch zum Großbetriebe führt.Man mag auch dann noch den Sozialismus aus irgendwelchen anderen Gründen der Ethik oder Zweckmäßigkeitpostulieren: „wissenschaftlicher" Sozialismus im heutigenSinne wäre das nicht mehr. Deshalb glaube ich, liegt dieBerechtigung vor, eine Antithese: Sozialistisch oder demo-kratisch zu formulieren, wie ich es oben gethan habe. Undin dem Gegeneinander dieser beiden Standpunkte, derenjeder innerhalb der sozialen Bewegung vertreten ist, äußertsich jener tiefgreifende Konflikt, von dem wir sprechen.
Wie sich hier die Strömungen verlaufen werden, läßt sichz. Z. noch nicht klar übersehen.
Ich glaube, daß folgendes die Erwägungen sind, die zueiner Klärung der Situation beizutragen vermögen.
Alle Kraft der sozialen Bewegung, alle Chancen einesetwaigen Sieges ihrer Ideen beruhen, so viel ich sehe, aufder Thatsache , daß sie Vertreterin der jeweils höchsten Formdes Wirtschaftslebens, der Produktion „auf höchster Stufen-leiter" sein will. Sie stellt sich damit auf die Schultern derBourgeoisie, die jetzt Vertreterin der reifsten Wirtschafts-formen ist, und die sie übergipfeln zu können meint. DieGeschichte lehrt uns, daß, was wir „Fortschritt" nennen,immer nur der Uebergang zu einem höheren, d. h. potenteren,Wirtschaftssystem gewesen ist und daß diejenigen Klassenemporkommen, die dieses höhere Wirtschaftssystem vertreten.Hinter den Kapitalismus zurück giebt es keine „Ent-wickelung", keinen Kulturfortschritt, vielleicht dereinst überihn hinaus. Die Höhe der Produktionsskala, die von ihmerreicht wird, darf jedenfalls von keiner Partei unter-schritten werden, die sich eine Zukunft sichern will. Darausergiebt sich, meine ich, der Standpunkt einer fortschrittlichenBewegung von selbst.
Wenn die Sozialdemokratie ihre historische Mission