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Sozialismus und soziale Bewegung im 19. Jahrhundert : nebst einem Anhang: Chronik der sozialen Bewegung von 1750 - 1896 / von Werner Sombart
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Namen des Rechts gegen das, was man für Unrecht hält,auf dem Boden des bestehenden Rechts. Man achte dieses,weil es Recht geworden ist und' als solches gilt, und ver-gesse nicht, daß unsere Väter dereinst für jenes Recht, dasheute gilt, nicht weniger warm gekänipft, nicht weniger Be-geisterung im Herzen getragen haben als die Söhne für dasRecht der Zukunft. Nur so wird man den Glauben andas erwecken und erhalten können, was dereinst einmalRecht werden soll.

Diese Mahnung richtet sich gleicherweise an beide Teileder kämpfenden Parteien: an die Machthaber nicht minderals an die Träger der sozialen Bewegung. Intra murosxeeeatur st extra!

Das Gleiche gilt von der zweiten Forderung, die imNamen der Kultur und Menschlichkeit an die Kämpfendenerhoben werden und von ihnen erfüllt werden muß, soll dersoziale Kampf nicht ein Vernichtungskampf sein, das ist, daßer mit anständigen Mitteln geführt werde, nicht mitvergifteten Pfeilen. Wie sehr wird hierin auf beiden Seitenwiederum gefehlt! Wie schwer gelingt es, bei den einen Ver-bissenheit, Verlogenheit, Hämischkeit, bei den andern Brutali-tät, Verhöhnung, Vergewaltigung, aus dem Kampfe fern zuhalten! Wie gern wird dem Gegner Unehrlichkeit oder irgendein anderes schlechtes Motiv für sein Verhalten vorgeworfen!Schon ganz äußerlich die Tonart der Meinungsäußerung,wie abstoßend, wie verletzend, wie roh ist sie nur allzu oft!Und muß das sein? Gehört das notwendig zur energischenWahrung des eigenen Standpunktes? Glaubt man sich etwaszu vergeben, wenn man auch im Gegner den anständigenMenschen achtet, wenn man auch im anderen Lager Wahr-haftigkeit und Ehrlichkeit als die leitenden Grundsätze derHandlungsweise vermutet? Ich glaube doch nicht. Geradedemjenigen, der sich prinzipiell auf den Boden desKampfes stellt, der in aller Geschichte immer wieder denKampf als den innersten Kern alles Geschehenden sieht, gerade