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Sozialismus und soziale Bewegung im 19. Jahrhundert : nebst einem Anhang: Chronik der sozialen Bewegung von 1750 - 1896 / von Werner Sombart
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Schichten des Volkes zum Menschtum emporhebt. Alles was anKultur jetzt in die Massen dringt, dringt durch den Kampfin sie; daß sie aus eignerKraft sich emporringen, dasz sieSchritt für Schritt sich ihr Recht erkämpfen müssen, nurdas allein giebt Gewähr, daß die Eigenschaften entwickeltwerden zu neuen, höheren Formen der Kultur. Der Kampfallein, der der Nationen wie der Klassen, bildet Charaktere,weckt Begeisterung. Lassen Sie mich Sie an ein schönesWort des alten Kant erinnern, das denselben Gedankenausspricht:Dank sei der Natur für die Unvertragsamkeit,für die mißgünstig wetteifernde Eitelkeit, für die nicht zubefriedigende Begierde zum Haben oder auch zum Herrschen!Ohne sie würden alle vortrefflichen Naturanlagen in derMenschheit ewig unentwickelt schlummern. Der Mensch willEintracht, aber die Natur weiß besser, was für seine Gattunggut ist; sie will Zwietracht."

Nun denn also, warum verzagen, wenn wir sehen, daßauch im sozialen Leben Kampf die Losung ist? Mir scheintkein Grund zum Verzweifeln zu sein. Ich freue mich diesesEntscheides,' den die Weltgeschichte getroffen hat, es ist einefröhliche Lebensanschauung, die den Kampf zum Mittel-punkte des Daseins macht.

Aber freilich Eines sollten wir dabei nie vergessen:daß nämlich der Kampf wie der Erzeuger des Guten, soauch der Vernichter und Zerstörer aller Kultur sein kann.Er muß nicht mit Notwendigkeit zu höheren Daseinsformenführen, braucht nicht mit Notwendigkeit der Anfang einerneuen Kultur zu sein, sondern kann auch das Ende deralten und alles menschlichen Daseins bedeuten.

Deshalb, meine ich, sollten wir zweigroßeGesichts-punkte bei diesem Kampfe nie aus den Augen verlieren.

Zum ersten: aller sozialer Kampf soll als gesetzlicherKampf gewollt sein. Denn nur alsdann wird die Heilig-keit der Rechtsidee unangetastet bleiben können. Undohne diese stürzen wir in das Chaos. Man kämpfe im