Gebundenheit an die Lebenseinheit von ihnen genommen wird, so fälschtman ihren Sinn. Will man sie nur als Vergleich heranziehen, so muß manes deutlich und vernehmbar sagen.
Die mythologischen Ursprungs- und Ewigkeitshypo-thesen (Nr. 3 u. 4) erweisen sich als klare Gedanken, die freilich ein aus-gesprochen transzendentes Gepräge tragen, sofern sie Raum und Zeit über-schreiten. Sie haben somit ihren Sinn nur als metaphysiche Wahrheiten,deren letzte Begründung im Glauben liegt. Wenn man angesichts dieseroffensichtlichen Tatsache versucht hat, den Ewigkeitsbegriff in dem hiergemeinten Zusammenhänge seiner Transzendenz zu entkleiden und voneiner „Zeitewigkeit“ gesprochen hat, — anschließend an die Worte Fich-tes in der 8. Rede: „dasjenige, was hienieden ewig sein kann“ —, so scheintmir dieser Versuch einer Verdiesseitigung des Ewigkeitsbegriffes völligmißlungen. „Wie lange dauert die Zeitewigkeit?“ fragt man unwillkürlich.„Ziemlich lange“, wird man zur Antwort bekommen, im Falle des Volkesmeist länger als eine Generation, mehrere viele Generationen. Das heißtdoch aber, daß „zeitewig“ nichts anderes bedeutet, als eine unbestimmte,„sehr lange“ Zeit. Wie man denn auch „eine Ewigkeit“ gewartet hat, wenndie Huldin sich um eine Viertelstunde verspätet 73 ).
Die unter Nr. 5 u. 6 genannten Kategorien — Kollektiv-Bewußtsein undVolksgeist — wollen wiederum in einem anderen Sinne kritisch behandeltwerden. Bei ihnen ist es der Doppelsinn, den wir herausstellen müssen. Esgibt nämlich ein Kollektiv (Volks) -bewußtsein und einen Volksgeist alswissenschaftliche Begriffe, während in andern Fällen die Worte zur Bezeich-nung metaphysischer Vorstellungen verwendet werden.
Versteht man unter Kollektivbewußtsein, um mit diesem zu be-ginnen, nichts anderes als die Summe der gleichen Bewußtseinsinhalte in denverschiedenen Einzelseelen,
Zwei Seelen und Ein Gedanke,
Zwei Herzen und Ein Schlag,
so haben wir es mit klaren, wissenschaftlich durchaus verwertbaren Be-griffen zu tun. Man kann meinetwegen auch von einer „Gemeinschaft —besser Gemeinsamkeit — des Bewußtseins“ reden, die in einer gleichenWeltansicht ihren Grund findet, wie sie etwa in einer bestimmten Mytho-logie gegeben ist. Es mag auch richtig sein, was S c h e 11 i n g behauptete: 74 )daß die geistige Anteilnahme an einer und derselben Mythologie für dieVolkwerdung in der Frühzeit von ausschlaggebender Bedeutung gewesen■sei, da bei allen Völkern obrigkeitliche Gewalt, Gesetzgebung, Sitten mit
5 o m b a r t : Vom Menschen
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